Rezensionen

Noah and the Whale – The First Days Of Spring

Im Gegensatz zum roten Mobilfunkriesen Vodafone, der es für eine gute Idee zu halten scheint, fragliche Coverversionen von David Bowie Hits für ihre Werbung zu nutzen, beweisen die andersfarbigeen Kollegen von Orange immer wieder ein gutes Händchen für die Auswahl von Songs für ihre Spots. Nachdem der Konzern bereits in England den Final Fantasy Song „Adventure.exe“ erfolgreich einsetzte, bewiesen sie im letzten Jahr in Österreich für eine Kampagne wieder ein goldenes Händchen. Eine fröhlich gepfiffene Melodie, gefolgt von einer launig gezupften Ukulele bescherte Orange einen großen Kampagnenerfolg und Noah and the Whale einen Top 50 Hit im Alpenstadt. In England schaffte es die Hymne auf die gute Laune es sogar bis auf Platz 7 der englischen Charts. Das zugehörige Debüt-Album „Peaceful, the World Lays Me Down“ schaffte es sogar bis auf Platz 5 der Charts. Ein Jahr später steht nun Album Nummer 2 auf dem Programm, das hört zwar auf den Titel „The First Days Of Spring“, erscheint aber dennoch genau in der richtigen Jahreszeit, denn vom fröhlich frühlingshaften Ukulelenfolk des Vorgängers ist wenig übrig.

Ergänzt wird das Album übrigens durch einen Film, bei dem Sänger Charlie Fink Regie führte und der von seiner Länge dem Album gleicht. Ein Umstand, der dem Album auch einen stringenten roten Faden verleiht. Grundthema des Albums ist die Trennung von Laura Marling, die hat nämlich mit ihrer Solokarriere nicht nur Noah and the Whale verlassen, sondern kurz darauf auch mit Sänger Charlie Fink Schluss gemacht. Bleibt abzuwarten, wie Charlie den Abschied von Doug Fink aus der Band verarbeitet, aber diese Trennung ist mit gerade einmal zwei Wochen noch etwas zu frisch um Einfluss auf das Songwrtiting der Band genommen zu haben. Auf „The First Days Of Spring“ vollzieht die Band jedenfalls einen Stilwechsel, den nach dem quietschfidelen Debüt wohl niemand erwartet hätte. Träge und gemächlich lässt die Band die Wolken im titelgebenden Song vor die Sonne ziehen. Spärlich instrumentiert, größtenteils nur durch den narrativen Gesang von Chralie Fink getragen kommt der Song daher. Geigen schwingen sich empor und unterstreichen die traurige Grundstimmung. Der Himmel hängt sprichwörtlich voller Geigen und gerade in den Momenten, in denen eben diese richtig aufdreht entwickelt das Stück eine Herz zerreißende Dynamik. Wer hätte gedacht, dass es Noah and the Whale nicht nur gut zu Gesicht steht, wenn sie über Sommertage im Zoo singen. Sie sind sogar noch besser, wenn sie wie in „My Broken Heart“ über das gebrochene Herz von Charlie Fink musizieren. Aber eine Prise Hoffnung schwingt dennoch mit, so singt Charlie „you can’t break my broken heart“, das ist zwar nun nicht von extremer lyrischer Tiefe, weiß aber durch Charlie’s schöne Art zu Singen sehr zu gefallen. „My Broken Heart“ zeichnet sich dann auch noch durch den packenden Einsatz der E-Gitarre aus. Die Wolken reißen aber auch kurz auf, wenn Noah and the Whale sich in einer Trilogie aus zwei Instrumentals, in das der Song „Love Of An Orchestra“ eingebettet ist, einem Orchester und einem Chor gegenüberstellen. Eine absolut packende Komposition mit hohen Frauenstimmen, mitreißendem Tempo und überraschenden Ideen. Mit „Stranger“ und „Blue Skies“ folgen die stärksten Songs des Albums dann direkt im Anschluss. Wieder wird die elektrische Gitarre sanft angeschlagen und die Geigen drohen vom Himmel zu fallen. Gegen Ende wünscht man sich nach bereits knapp 35 Minuten vielleicht etwas mehr Tempo, oder Abwechslung auf dem Album, das würde aber letztlich den roten Faden sprengen und manchmal reicht auch nur der Gesang von Charlie Fink für einen tollen Song, wie der Closer „My Door Is Always Open“ beweist, bei dem der fast ganz allein durch den Song geleitet.

Rating: ★★★★☆
Noah and the Whale

Noah and the Whale auf Tour:

16. September, Berlin, Postbahnhof
12. November, Hamburg, Docks (supporting Phoenix)
13. November, Bielefeld, Ringlokschuppen (supporting Phoenix)
14. November, Köln, E-Werk (supporting Phoenix)
15. November, München, Theaterfabrik (supporting Phoenix)
17. November, Stuttgart, Zapata (supporting Phoenix)
18. November, Frankfurt, Cocoon Club (supporting Phoenix)
20. November, Mannheim, Alte Feuerwache (supporting Phoenix)
21. November, Berlin, Huxley’s (supporting Phoenix)

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