Rezensionen

Neal Casal – Roots & Wings

rw-coverDas Verdeck runter, den Sitz zurück, die Stereoanlage auf laut gestellt und über den „Superhighway“ durch die Sun-States, das dürfte das perfekte Szenario sein, um Neal Casal’s neues Album „Roots & Wings“ am zu hören. Die Reise geht gut gelaunt und zurückgelehnt los, mit dem entspannten Americana-Song „The Losing End Again“, bei dem die Sonne lacht und wir weite Felder passieren. Wir nähern uns der Wüste, der Casal’sche Folk-Sound wird etwas spröder und der Himmel färbt sich vanillefarben, die Sonne geht bald unter, Casal fährt weiter, bis er „Tomorrow’s Sky“ sieht, einem sehr ruhigem Folk-Song, der so auch Platz auf einer von Ryan Adams früheren Whiskeytown-Platten gefunden hätte. Adams ist unser Stichwort, seit Casal’s Einstieg als Chef der Cardinals ist „Roots & Wings“ Neal Casal’s erstes Soloalbum, neben dem Bemühen das Enfant Terrible Ryan Adams auf dem richtigen Pfad zu halten und den Aufnahmen zu „Cardinology“ hat Adams‘ großes Vorbild nun also auch wieder Zeit für sein Solowerk gefunden. Ob die Cardinals auch ohne Adams weiter machen werden ist noch ungeklärt, klar ist aber, dass Casal weiter macht, neben seiner Soloarbeit hat er auch bereits seine alte Band Hazy Malaze wieder erweckt.

Dabei verspürt Casal auch keinen offensichtlichen Druck, anders als sein Buddy Ryan Adams lässt er sich Zeit. Zeit, die er vor allem den Stücken gönnt, er lässt sie langsam entfalten, baut behutsam Spannungsbögen auf und singt mit lässiger Tonlage. Die Dramarturgie der Stück auf „Roots & Wings“ ist dementsprechend zurückgelehnt und durchweg positiv, Casal spricht zwar textlich auch die negativen Seiten des Lebens und der Liebe an, der Silberstreif am Horizont strahlt aber immer hell. Dabei bedient er sich musikalisch bei den Wurzeln des Americana, die er in den letzten knapp 15 Jahren seiner Karriere nicht unwesentlich bereichert und ausgekitzelt hat. Er beflügelt sich sprichwörtlich selbst zu einem durchweg schönem Stück Folk-Musik, dabei übertreffen seine Songs nie die Dringlichkeit der Stücke von Adams, aber dennoch sorgt Casal auf „Roots & Wings“ für einige Momente, die selbst Adams so nur ganz selten gelingen. Da spielt auch der Aspekt Zeit wieder rein, Zeit die der manische Workaholic Adams seiner Arbeit nie lassen wollte, die sich Casal aber nur zu gerne nimmt, um sich den Songs gebührend zu widmen. Oder einfach gesagt, Casal ist der Typ Jogi Löw anno 2006, der coole Stratege im Hintergrund, der Klinsmann / Adams den Rücken frei hält und dennoch sicher stellt, seinen Weg gehen zu können. Einen Weg, für den das Cabrio aus der Garage geholt wird, um lässig über die Highways zu cruisen.

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