Rezensionen

Muse – The Resistance

Etwas mehr als zehn Jahre sind nun schon seit der der Veröffentlichung des ersten Muse Albums „Showbiz“ und der großartigen Single „Muscle Museum“ ins Land gezogen. Damals ließ sich das Trio noch von Radiohead Produzent John Leckie („The Bends“) unter die Arme greifen. Eine richtungsweisende Entscheidung für die Band, denn der Name Radiohead war in der Folgezeit eine der am häufigsten genannten Referenzen. Gerade beim Durchbruch mit dem zweiten Album „Origin Of Simmetry“ überschlugen sich die Kritiker mit diesen Vergleichen. Vergleiche, denen das Trio relativ schnell überdrüssig war und deshalb auch für „Absolution“ einen neuen Produzenten einspannte. Namentlich Rich Costey. Der schaffte es dann dem Trio einen noch gewaltigeren, überlebensgroßen Rocksound auf den Leib zu schneidern. Radiohead war gestern und die Science-Fiction Rock-Oper von Muse nahm ihr Spiel auf. Muse schrieben beeindruckende Rocksongs, wie „Hysteria“ und hatten ihre Marotte drei Songs in einen zu verpacken beispielsweise in „Butterflies & Hurricanes“ perfektioniert. „Absolution“ stellt in der mit „The Resistance“ inzwischen fünf Studioalben umfassenden Diskografie der Band auch so etwas wie einen Wendepunkt zwischen zwei Schaffensphasen der Band dar.

Der Gipfel der Experiementierwut war dann mit „Black Holes and Revelations“ erreicht, Spaghetti-Western traf auf größenwahnsinnigen Pathos und Queen-Einflüsse. Eine Mischung, die größtenteils gut funktionierte und Muse zu Recht den Status als einer der größten englischen Rockbands verlieh. Dieser grobe Abriss über die Muse Geschichte sollte nun ganz knapp verdeutlichen, dass Muse musikalisch eigentlich immer in Bewegung waren und sich nie zu sehr festlegen wollten. Das war auf „Showbiz“ vielleicht noch stellenweise ein Problem, sollte aber in der Folge zu ihrer großen Stärke werden, die sie auf „Absolution“ perfektionierten und von der sie sich seitdem quasi in einen Experimentierwahn treiben ließen, der auf Album Nummer 4 noch über große Strecken gut funktionierte. Das größte Experiment an „The Resistance“ war für das Trio jetzt wohl die Produktion komplett in die eigene Hand zu nehmen. Am Ende der Aufnahmen kündigte das Trio dann auch an, man habe sein bisher größtes Werk fertig gestellt, sich getraut einen Slapbass einzuspielen und eine Symphonie in drei Teilen mit Orchestersätzen gewagt. Muse haben also ihren Sound noch weiter aufgeblasen, das zeigte auch schon der vorab über das Internet veröffentlichte Song „United States Of Eurasia“, der wie eine halbgare Mischung aus der „Bohemian Rhapsody“ und apokalyptischer Symphonie daher kommt. Inspiriert von Schriften des Jimmy Carter Beraters Brzezinski und George Orwell’s „1984“ möchte der Song auf die Gefahren der aktuellen politischen Weltlage aufmerksam machen. Einen ähnlichen politischen Ausdruck präsentiert die Band mit dem Opener „Uprising“, allerdings sind hier einfach nur „they“ die Bösen, ohne eine bestimmte Gruppe zu nennen. „Die da oben“ haben eben alles falsch gemacht. Diese etwas schwachbrüstige Meinungsäußerung wird durch einen immerhin stärkeren Song untermalt. Ein spaciges Keyboard, ein Marschrhythmus und ordentlicher Gitarrenwums. Dazu natürlich Matt Bellamy’s markerschütterndes Falsett. So geht es aber nicht weiter.

„Resistance“ wird in der Folge von einem kitschigen Klavier eröffnet, das nur durch den vor Pathos triefenden Refrain getoppt wird. Muse zeigen sich hier mit ganz großer Geste, die sie im Anschluss auch nicht mehr ablegen werden. Natürlich muss man auch den Mut des Trios zu Experimenten hervorheben, statt sich in sicheren Gefilden auszuruhen wagen sie sich mit „Undisclosed Desires“ in ganz neues Terrain vor. Das Stück zeigt sich als interessanter R’n’B Ausflug, der so auch auf „Black Holes and Revelations“ gepasst hätte, wo es mit „Supermassive Black Hole“ ja bereits eine Verneigung vor Prince gab. Es folgt bereits erwähntes „United States Of Eurasia“, das in der Albumversion noch durch den Anhang „Collateral Damage“ ergänzt wird. Letzterer Anhang bedient sich bei einem Chopin Klaviermotiv und gibt ein wenig Zeit zum Träumen. Wer allerdings dachte, nach „United States Of Eurasia“ sei das schlimmste überstanden, der irrt. In „Guiding Light“ zeigt die Band eine schlagereske Gitarrenmelodie mit dumpfem Bass und langweiliger Gesangsmelodie. „Unnatural Selection“ stellt dann den allerletzten Lichtblick dar. Einer der wenigen stampfenden Rocker in bester „Absolution“ Manier, bei denen Matt Bellamy auch einmal die elektrische Gitarre aus der Ecke holt. Vor der dreiteiligen „Exogenesis“ Symphonie stehen dann noch zwei relativ farblose Songs, nämlich „MK Ultra“ und das seltsam fröhlich jazzige „I Belong To You“. Die größte Enttäuschung steht dann am Ende. Die ist nämlich die groß angekündigte „Exogenesis Symphonie“. Teil 1 „Overture“ ist wie der Name vermuten lässt eine Einleitung. Langsam werden Geigen aufgebaut, später dann kombiniert mit Drums und dem leisen Jaulen von Matt Bellamy. Auch in der Folge entwickelt sich daraus keine riesige Science Fiction Rock-Oper, wie man sie sich vom Trio erhofft hätte. Größtenteils suhlt sich das Trio in Betroffenheitsgestik, lässt mal kurz eine Gitarrenwand aufbrausen, zieht sich dann aber schnell zurück und überlässt dem Orchester das Feld. Wenn der Weltuntergang so klingt, müssen wir keine große Angst haben, er wird gemächlich daher plätschern und uns vermutlich im Schlaf überkommen. Die leichten Durchhänger, die Muse auf „Black Holes and Revelations“ erkennen ließen werden auf „The Resistance“ noch vermehrt und sorgen das erste Mal für eine große Ernüchterung, was die Schaffenskraft einer der größten britischen Rockbands dieses Jahrzehnts betrifft. Ein paar Momente machen allerdings doch Hoffnung und live sind Muse ohnehin eine Bank, also „The Resistance“ zur Seite legen und jetzt schon vorfreuen auf die Tour im November.

Rating: ★★☆☆☆
Muse
das komplette Album im Stream

Video zu „Knights Of Cydonia“ („Black Holes and Revelations“)


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