Rezensionen

Mumford & Sons – Sigh No More

Als es darum ging sich etwas näher mit den Bestätigungen für das Haldern Pop zu beschäftigen, war über Mumford & Sons an vielen Stellen die Beschreibung „Engländer, die wie Amerikaner klingen“ zu lesen. Das hatten sie dann unter anderem auch mit Noah & The Whale gemeinsam, was aber nicht die einzige Gemeinsamkeit ist, denn mit Laura Marling konnten sie schon bei einigen Auftritten eine Gastmusikerin gewinnen, die ja selbst einmal Mitglied bei Noah & The Whale war. Live und im Studio unterstützte dann wiederum auch Marcus Mumford die gute Laura Marlings auf ihrem Debüt. Bekannt sind sich alle untereinander, also Noah And The Whale, Laura Marling und Noah & The Whale noch als alte Schulfreunde. Die Herleitung zum Sound der Band um Marcus Mumford dürfte dann auch gedanklich nicht mehr so weit sein. Die wurzelt nämlich wie bei den genannten im Folk. Mumford & Sons reichern den dann noch mit pastoralen Gesängen, Country und Bluegrass an. So nutzt die Band dann unter anderem für den vollen Sound auch ein Banjo, einen Kontrabass und ein paar Trompeten.

Den Opener und namensgebendes Stück des Albums „Sigh No More“ eröffnet die Band dann beinahe wie ein Klagelied. Aus der Dunkelheit erklingt choraler Gesang, der zunächst mit sanft gezupfter Gitarre ein wenig lauter anwächst, bis die ganze Band einsetzt und in der zweiten Songhälfte im besten Bluegrass-Tempo losdrischt. Alles ist hier dann darauf angelegt, dass die durch die Fleet Foxes vom Folk angefixten Indie-Kids ordentlich mitstampfen. Garniert wird das Stück dann noch mit einer riesigen Portion Pathos, den Marcus Mumford mit tiefer, kehlig, kratziger Stimme heraus presst. In „The Cave“ kommt dann beinahe Pub-Atmosphäre auf, das Banjo läd zum Mitschunkeln ein und die Chöre zum Mitgröhlen. Auch die Pathos-Keule wird hier wieder großzügig geschwungen und so kommt man sich beim Hören beinahe kaltherzig vor, wenn Marcus Mumford fordernd jault „and I need freedom now“ und einen die Ergriffenheit dieses Vortrags einfach nicht mitreißen kann. Irgendwo zwischen stampfiger Folkinstrumentierung und Pathostriefendem Vortrag ist das Gefühl dann leider auf der Strecke geblieben und so wirken die Songs dann bei all ihrer prachtvoll ausgekleideten Folk- und Bluegrass-Instrumentierung, einfach nur kalkuliert. Wobei uns klar ist, dass Mumford & Sons das durchaus ernst meinen, was sie da machen und nicht mit bloßem Kalkül darauf aus sind das nächste große Ding zu werden. Aber auch die Texte, in denen Einflüsse von Shakespeare und aus dem Alten Testament zu Geschichten über die Liebe versponnen werden, wirken durch diese Zusammenstellung eher gewollt altmodisch, als wirklich nachvollziehbar zur beabsichitigten Aussage passend. Natürlich kann man der Spielweise von Mumford & Sons beim ersten Hören einen großen Unterhaltungswert nicht absprechen, der verblasst aber so schnell, wie das Banjo in manchen Songs gezupft wird, denn was allen Songs fehlt ist eine gewisse Tiefe, die ihnen Nachhaltigkeit verleihen würde. Der Name Mumford & Sons wird natürlich dennoch bald überall groß gefeiert werden, die Begründung dafür steht allerdings noch aus.

Rating: ★★☆☆☆
Mumford & Sons
Mumford & Sons / Little Lion Man video

Myspace // Label

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