Rezensionen

Muff Potter – Gute Aussicht

Als Band kann man es bei einem neuen Album oftmals nur falsch machen. Entweder es klingt alles wie immer und man regt sich auf, dass die Band sich nicht weiter entwickelt hat. Oder der Sound ist neu und man sehnt sich nach dem Alten, denn früher war alles besser. Nun gut, Muff Potter haben bei ihrem neuen Album „Gute Aussicht“ den Spagat gewagt und beides vereint. Sie klingen wie früher, doch irgendwie ist alles auch neu. Muff Potter sind wieder rauer Geworden. Nachdem die letzten beiden Alben schon sehr ins Poppige gingen und selbst auf Viva Muff Potter Clips einen um die Augen geworfen worden sind, ist man froh, dass sie den Schritt zurück gemacht haben und dabei gleichzeitig zwei nach Vorne.

Versteht mich nicht falsch, ich mochte die letzten beiden Alben sehr, aber hier bei „Gute Aussicht“ verbinden Muff Potter die rohe Dynamik früherer Tage mit neuen Stärken, die vor allem auf das beste Songwriting zurück zu führen sind, das es bisher aus dem Hause Muff Potter gab. Schon die Vorab-Single „Blitzkredit Bop“ bewies wieder das typische Muff Potter Gespür für Songtexte, die einem nicht alltäglich um den Kopf geschmissen werden. Dem obligatorischem „Hey Ho – Let’s Go“ in der Liedmitte inklusive besingt Nagel hier den (fast) täglichem Gang zum Bankautomat, der über weitere Verhaltensweisen im Leben entscheiden kann. Oder auch die verstauben Helden im Regal eines Jedem, die so manche Jugend geprägt haben und vor allem auch beeinflußt. Der erste Track „Ich Und So“ ist so eine Huldigung an viele schöne Geschichten, die einem geboten worden sind in der Jugend und gibt einen guten Einstieg in das 12 Lieder lange Album, mit einer Spielzeit von knapp 40 Minuten. „Scheiße, ich sollte die Welt regieren, doch ich bin einfach zu faul“, Muff Potter sagt es, wie viele fühlen. Und das „Rave Is Not Rave“ ist, wissen wir ja schon lange. Muff Potter begrüssen uns in der tristen Vorstadt. „Niemand will den Hund begraben“ ist ein gut geeignetes Abschiedslied für so manchen Heimatort, der dadurch heraussticht, dass er vom aussterben bedroht ist. Keine Liebesszenarien, sondern eine Betrachtung aus anderem Blickwinkel. „Die Party ist vorbei – komm lass uns tanzen!!!“ und „Alles war schön und nichts tat weh“ stellen den wehmütigen Blick auf früher dar, wo alles besser war, verpackt in schmerzvolle 1:49. Mag sein, dass danach das Album vielleicht ein wenig versackt und ein wenig schwächelt, doch das darf es, denn es wirkt immer noch nicht schlecht. Vielleicht ist es mit Fußballspielern zu Vergleichen, dann ist dieser Teil der kleine Vorstopper, der malocht und die Drecksarbeit leistet, den Ruhm ernten aber die Stars, die vorne die Tore schießen. Die Songs sind dreckig und gehen mit einer rauen Weise ans Werk, sind aber für das Gesamte unersetzbar. Ob das jemand versteht? Ich will es nicht wissen. Was ich weiss, dass „Gute Aussicht“ ein feines Muff Potter Album geworden ist und sich nahtlos in die Reihe guter Muff Potter Alben einfügt. Und trotz Chartplatzierungen ist Muff Potter immer noch diese kleine Unbekannte. Die, die sie kennen mögen sie dafür umso und werden nicht enttäuscht. Vorstopper halt!

Rating: ★★★★½
Muff Potter

Video zu „Blitzkredit Bop“

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