Rezensionen

Motorama – Poverty

Motorama – Poverty

Erst gestern traten wieder EU-Politiker zusammen, um wegen des durchaus kritisch zu sehenden Verhaltens der russischen Regierung in der Ukraine, über Sanktionen gegenüber Russland zu beraten. Es dürfte außer Frage stehen, dass das flächenmäßig größte Land der Welt aufgrund seines außen- und auch innerpolitischen Handelns, derzeit nicht besonders populär ist. Doch sind wir kein Politikblog, sondern beschäftigen uns doch lieber mit Musik und da gibt es Künstler, die in den letzten Jahren deutlich bessere Werbung für ihr Land machen, als Herr Putin oder auch die kreischenden Feministinnen von Pussy Riot. Die Rede ist von Motorama. Die begleiten uns schon eine ganze Weile und haben mit dem Release ihres zweiten Albums „Calendar“ vor zwei Jahren den Sprung von völligen No-Names zu einem Geheimtipp geschafft. Kein Wunder, bot die Band doch eine unaufgeregte Mischung aus dem Manchester Sound der Marke Joy Division, den sphärischen Klängen von The Cure und auch amerikanischen Bands, wie Interpol und The National, besonders hinsichtlich des Gesangs, da Vladislav Parshin wie eine Kreuzung aus Matt Berninger und Paul Banks klingt.

Mit „Poverty“ veröffentlichen Motorama nun ihr mittlerweile drittes Album und damit könnte mit dem Status „Geheimtipp“ auch Schluss sein. Darauf deutet auch hin, dass auch die Kollegen vom Musikexpress nun auf die Russen aufmerksam geworden sind und „Poverty“ in ihrer Review vier Sterne geben. Das ist kein Wunder, denn auch auf „Poverty“ bieten Motorama eine wunderbar kühle Mischung aus New Wave, Post Punk und Shoegaze, bei der wieder einmal stark der Geist von Ian Curtis durchklingt. So zum Beispiel beim mit ein paar Synthies und einer Orgel angereichertem „Dispersed Energy“. Würde das Schlagzeug noch ein wenig mehr scheppern, könnte das Stück genau so gut aus der Joy Division Session stammen, in der auch „Heart and Soul“ entstanden ist. Besonders stark sind Motorama jedoch, wenn sie ihren Stücken noch mehr Luft lassen. Wie zum Beispiel in „Heavy Wave“ oder „Red Drop“, wo die dunklen Klangteppiche der Band entspannt wabern und Vladislav Parshin, mit viel Hall unterlegt, aus dem Hintergrund ertönt. Gepaart mit einigen Songs, wie „Old“, bei denen die Band die Gitarren noch etwas schneidiger klingen lässt und das Tempo zackiger anzieht, ergibt das ein Album, das die Band von ihrer bisher besten Seite zeigt. So dürfte der Name Motorama dann auch bald bei noch mehr Fans positive Assoziationen wecken und vielleicht ja sogar dafür sorgen, dass sich bald noch mehr Bands aus Russland nach Europa trauen.

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