Rezensionen

Motorama – Calendar

Motorama - Calendar

Sucht man in der deutschen Datenbank für Indie-Musik-Kultur, Indiepedia, nach Russland, stehen in der Band-Section immerhin knapp 50 Bands, die aus dem Mutterland des Vodka und der Scheindemokratien stammen. Namentlich bekannt ist uns allerdings nicht eine dieser Bands und ausgerechnet Motorama aus der Millionenstadt Rostov-on-Don im Südwesten Russlands, fehlen in der Auflistung. Denn das Quintett tut seit 2008 einiges dafür, dass Russland auch für gute Musik Bekanntheit erlangt. Seitdem veröffentlichen sie nämlich regelmäßig Singles und EPs, die sie gratis auf ihrer Website bereitstellen. Darunter auch ihr 2010er Debüt „Alps“.

„Calendar“, das Ende 2012 in Russland und vor kurzem auch bei uns erschien, ist das zweite Album der Band und der erste Release, der auch käuflich zu erwerben ist. Der Gedanke war wohl, man möchte zwar eine moderne Band sein, aber irgendwann muss man auch anfangen Geld für seine Musik zu nehmen. Kein dummer Gedanke, haben sich Motorama doch in den letzten Jahren durch ihren eingängigen Sound und unermüdliches Touren eine große Fanbasis in ganz Europa erspielt.

So war die Band auch vor kurzem wieder in ganz Europa unterwegs und stellte die Songs von „Calendar“ auch live vor. Dabei wurde spätestens klar, warum Termine der Band fett im Kalender markiert werden sollten. Überzeugende Argumente liefert natürlich auch das Album selbst. Das präsentiert sich in ähnlich leichtfüßigem Post-Punk-Revival-Sound, wie der Vorgänger. Ab der ersten Minute kombiniert die Band pluckernde Gitarrenakkorde mit unaufgeregtem, Hall-geschwängertem Gesang, weichen Synthieflächen und sommerlichen Melodien. Ein wenig so, als seien The Drums endlich erwachsen und hätten sich zu einer Session mit The National, Elefant und Interpol getroffen. Damit ist der Sound von Motorama eigentlich recht umfassend umschrieben und damit in etwa so russisch, wie Gérard Depardieu. Aber wer sagt schon, dass dieser Sound auf Großbritannien oder die USA beschränkt ist. Und so zeitlos, wie der Sound ist, so zeitlos klingen auch Motorama. Die Band spielt sich durch leichtgängige Frühlingsmelodien und weiß trotz der ziemlich ausgetretenen Pfade ihres Soundspektrums von der ersten bis zur letzten Minute zu unterhalten. Da bleibt eigentlich nur, den Kalender zücken und sich den Kauf dieses Albums beim Plattenhändler um die Ecke fest vornehmen.


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Discussion

  1. […] Young Rebel Set – Crocodile 12 Traams – Grin 13 Motorama – Calendar 14 Arcade Fire – Reflektor 15 The National – Trouble Will Find Me 16 Neils Children […]

    Posted by WhiteTapes Record Of The Year 2013 – das Ergebnis | WhiteTapes | Januar 1, 2014, 8:24 pm
  2. […] mit ihrem zweiten Album “Calendar”, das sie Anfang des letzten Jahres veröffentlichten und bereits drei Mal in Deutschland betourten, […]

    Posted by Motorama – Video zu “She Is There” | WhiteTapes | März 31, 2014, 9:09 am

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