Rezensionen

Morrissey – Years Of Refusal

yearsofrefusalpackshotEin neues Morrissey Album ist eigentlich immer so etwas, wie ein neuer James Bond Film, jedes Häppchen Informationen wird im Vorfeld mit größter Spannung aufgenommen und heiß diskutiert, die erste Single / der erste Trailer werden als Qualitätsmerkmal für das Gesamtwerk genommen und vom Endprodukt ist immer irgendwer enttäuscht. Manchmal durchaus zurecht, wie im Falle der meisten 90er Jahre Morrissey Alben und den Timothy Dalton Bond-Filmen, handelt es sich aber eher um jammern auf höchstem Niveau, wie im Fall von „Ein Quantum Trost“ und „Years Of Refusal“. Wobei die Faktoren, die in beiden Fällen enttäuschen gegensätzlicher nicht sein könnten. Bond räumt in „Ein Quantum Trost“ mit allen Klischees auf, die seine Rolle ausmachen, es gibt keinen Q, kein „Mein Name ist Bond, James Bond“, das Bond-Girl rückt völlig in den Hintergrund und eine coole Karosse sucht man lange. Morrissey macht es genau andersrum, er bedient sich auf „Years Of Refusal“ aller Klischees, die ihm bei den Smiths zu so großem Erfolg und bei „You Are The Quarry“ zu einem beeindruckendem Comeback verholfen haben.

Die Gemeinsamkeit zwischen dem neuen Bond-Film und dem neuen Morrissey-Album liegt darin, dass es in beiden mächtig zur Sache geht und scheppert, Bond holt sein Maschinengewehr aus dem Kofferraum und ballert kräftig drauf los und Morrissey lässt seine Band kräftig in die Saiten hauen und rockt, wie selten zuvor. „Years Of Refusal“ hat sogar auch einige zusätzliche Ballerelemente, das Schlagzeug durfte nun nämlich mit auf eine Ebene mit dem Klagegesang des Stephen Patrick, so jammert sich Morrissey durch die 12 Songs und lässt seine Texte dabei, wie nie zuvor vom Schlagzeug unterstreichen und konterkarieren. Der Rest ist allerdings Morrissey, wie man ihn kennt, der Klanganzug sitzt perfekt, wozu auch nur eine Naht ändern scheint hier der Grundgedanke. Da trifft Morrissey’s pathosgeschwängerter Gesang auf dichte Instrumentierung aus Breitwand-Gitarren, einem nun eben lauten Schlagzeug und auch auf Trompeten, die allerdings genau so klingen, wie bereits auf „Ringleader Of The Tormentors“. Morrissey präsentiert sich also wieder als das, was er ist, ein leicht altmodischer Ausnahmekünstler, der seinesgleichen sucht. Ihm Stillstand im Songwriting vorzuwerfen, wäre, als würde man dem Papst vorwerfen zu sehr auf Gott fixiert zu sein, er ist nun einmal jemand, der seinen Stil so sehr perfektioniert hat, dass kleine Nuancierungen die wahre Innovation darstellen. Das funktioniert dann wie beim neuen Bond-Film, Fans werden jedes neue Detail aufsaugen, außenstehende werden jammern, dass doch immer das gleiche passiert.

Album-Stream bei 3voor12

Morrissey – I’m Throwing My Arms Around Paris

Homepage // Myspace // Label

Discussion

Comments are closed.

Archive