Rezensionen

Monsters Of Folk – Monsters Of Folk (s/t)

Ende 2004 war Conor Oberst gerade einmal wieder auf ausgedehnter Tour mit seinen Bright Eyes. Dabei hatte er unterschiedlichste Supportbands, an ein paar speziellen Abenden traf er dann aber mit den Folk- / Songwriter-Größen M. Ward und Jim James (My Morning Jacket) zusammen. Angekündigt wurden die Abende als „An Evening with: Bright Eyes, Jim James (My Morning Jacket) and M.Ward“, unter den Musikern entwickelte sich daraus zunächst im Scherz der Arbeitstitel „Monsters Of Folk“ und die Idee diesen Namen vielleicht wirklich einmal in einer gemeinsamen Zusammenarbeit zu nutzen. Bis zu der sollte es dann noch einmal fünf Jahre dauern, aber nun ist das Monsters Of Folk Album Wirklichkeit geworden. Bei Supergroups gibt es im Prinzip drei Arten, es gibt den Typus, bei dem die gebündelten Talente für ein wahres kreatives Feuerwerk sorgen, wie etwa bei The Good The Bad and The Queen unter der Feder von Damon Albarn, den Typus, bei dem der Initialzünder das Zepter in die Hand nimmt und dem Rest der Truppe sein Korsett überstülpt, was zumeist wenig originell wird, wie etwa bei The Dead Weather.

Dann gibt es noch den Typus, bei dem das Aufeinandertreffen der kreativen Köpfe im Konsens endet, Vordenker sind da nicht erwünscht, da wird alles in einen Topf geworfen, ein wenig verrührt und fertig ist das fade Süppchen. Die erste Monsters Of Folk Vorabsingle „Say Please“ weckte dann die Hoffnung, diese neue Supergroup könnte Typ 1 entspringen. Der Song geht gut gelaunt nach vorn, bietet eine unterhaltsame Struktur und ist ein Ohrwurmgarant erster Güte. Keiner der Musiker drängt sich dabei zu sehr in den Vordergrund, man spürt die Einheit und aus der ist ein starker Folk-Popper erwachsen. Diese Momente sind dann aber nicht so großzügig gesät, wie man sich das wünschen würde. Das zeigt auch schon der Opener „Dear God (Sincerely M.O.F.)“, eine weichgespülte R’n’B angehauchten Nummer, die gemächlich vor sich hinplätschert und alles andere als ein Monster ist. Knackiger ist dagegen schon das von 60s Rock inspirierte „Whole Lotta Losin'“, das ein launiges Tempo besitzt und neben Gitarren auch mit kleinen Keyboardspielereien daher kommt. „Temazcal“ ist dann eine ruhige und besinnliche Nummer. Ein Song, der eindeutig aus der Feder von Conor Oberst stammt und hübsch atmosphärisch daher kommt. Das einzige Problem, dieser Song funktioniert zwar prima, aber in dieser Art kennt man ihn von Conor Oberst schon in verschiedensten Fassungen vom Bright Eyes Album „Cassadaga“ und den Alben mit der Mystic Valley Band. Im Prinzip also gewohnte Conor Oberst Kost. Das countryeske „The Right Place“ dudelt sich mit Steel-Pedal und gefälligem Gesang auch eher dahin, als sich beim Hörer wirklich festsetzen zu können. Ähnlich geht es auch dem Stück „Baby Boomer“, das groovt sich ein wenig ein und plätschert dann vor sich hin. Schnell kommt man dann auch nach ein paar Durchläufen zum Schluss, das Monsters Of Folk bis auf ein paar wenige Ausreißer nach oben leider zur Sorte der „Konsens-Supergroups“ gehören. Das ist auch deshalb schade, weil viele Chancen vertan wurden ein wirklich mitreißendes Album zu schaffen. Das Quartett scheint es vorgezogen zu haben in gewohnter Gefälligkeit vor sich hinzujammen, statt sich kreativen Prozessen und eventuellen Auseinandersetzungen zu stellen. Dabei ist doch eigentlich altbekannt, aus Reibung entspringt Wärme und aus der vielleicht ein Funke.

Rating: ★★★☆☆
Monster Of Folk

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Discussion

  1. […] er nur kurze Zeit später “Outer South” mit der Mystic Valley Band, ein Album mit Monsters Of Folk, mit “The People’s Key” ein neues Bright Eyes Album und im letzten Jahr eine […]

    Posted by Conor Oberst – “Hundreds of Ways” vom neuen Solo-Album “Upside Down Mountain” im Stream | WhiteTapes | März 26, 2014, 11:21 am

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