Rezensionen

MONEY – Suicide Songs

Money

Nicht erst seit dem Tod von Robin Williams ist Selbstmord ein viel diskutiertes Thema. Nicht nur in den Medien, sondern auch in der Kunst. Zwei der berühmtesten Beispiele kommen aus der Literatur. Neben dem Doppelselbstmord von „Romeo & Juli“ hatte vor allem der Selbstmord der Hauptfigur in Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werthers“ eine derartig nachhaltige Wirkung, dass nach der Veröffentlichung des Romans ein Anstieg der Selbstmorde in Deutschland spürbar war. Viele davon in der Tracht Werthers. Die Wissenschaft sprach deshalb vom Werther-Effekt. Dass er auch heute noch wirkt, zeigte auch der Eingangs erwähnte Suizid von Williams. Auch hier war im Zuge der breiten Berichterstattung eine höhere Anzahl Selstmorde festgestellt worden.

Das zeigt auch die Verantwortung, in der jeder steht, der sich öffentlichkeitswirksam mit diesem Thema befasst. Sei es nun in der Berichterstattung, oder als Thema der Kunst. Es ist auf Feingefühl zu achten, denn bei aller Faszination des Themas kann eine unbedarfte Behandlung von Suizid im schlimmsten Fall immer dazu führen, dass Menschen, die schon darüber nachdachten, ihn dann in die Tat umsetzen.

Und das können viele Menschen sein, denn wie Morrissey es in einem Interview gut auf den Punkt gebracht hat „[Suicide] crosses everybody’s mind. Everybody thinks about it – even people who mistakenly assume they are happy“. Im gleichen Interview fasste er auch die Faszination zusammen, die dem Suizid inneliegt: „“They think of just disappearing and having enough and many people just [take] control… No more, no more of this silliness. And it’s admirable“. Wie Morrissey setzen sich auch die, ebenfalls in Manchester gegründeten, MONEY mit diesem Thema auseinander. Und das nicht nur in einzelnen Song, wie Morrissey zum Beispiel bei „Staircase at the University“, sondern auf Albumlänge und so heißt der Nachfolger des 2013er MONEY Debüts „The Shadow Of Heaven“, „Suicide Songs“.

Ein Titel, der bereits beim Guardian für Irritationen sorgte. Der Reporter sprach in einem Interview mit Frontmann Jamie Lee über das Album und sagte „the album’s title made me feel very uncomfortable, having suffered depression and seen the effects when those close to you tip over into suicidal ideation. Ein Beispiel dafür, was allein schon ein Albumtitel an Reaktionen hervorrufen kann. Und natürlich steckt das Thema Suizid nicht nur im Titel, sondern zieht sich durch das gesamte Album. Für Jamie Lee ist das neue MONEY Album jedoch kein großer Abschiedsbrief, sondern beinahe Selbsttherapie. Nachdem er 2014 nach London zurück gezogen war, begann er stark zu trinken, um seinen Selbstzweifeln und Ängsten zu entkommen und weil diese dadurch nur stärker wurden, trank er noch mehr. Ein Teufelskreis, aus dem er zum Glück irgendwann ausbrechen konnte. In „Suicide Songs“ verarbeitet er u.a. diese Zeit und verbindet sie mit seiner Vorliebe für die Themen Tod, Jenseits und Romantik, die für Jamie Lee im Selbstmord liegen. Themen, die auch auf dem Debüt schon allgegenwärtig waren und so fühlt sich „Suicide Songs“ dann auch wirklich wie die logische Fortführung an.

Kein Wunder, findet sich doch zum Beispiel mit „I’ll Be The Night“ darauf ein Stück, das schon vor drei Jahren in anderer Version als B-Seite zur Single „SOLONG[GODISDEAD]“ erschien. Ein berührender Song, mit einer Prise Dramatik.

I will carry your death, and i will speak your final words
i will draw your final breath, so that it will be heard
above the sound of your empires tumbling down
until you’re memorised by the ground
in the bitterness of the end

Zeilen, in denen sich alles vereint, was MONEY ausmacht und die feinsinnig instrumentiert wurden. Ein Stück mit malerischen Streicherarrangements, das sich teils beinahe episch emporschwingt, nur um im nächsten Moment wieder abzuschwellen und den wehmütig klingenden Jamie Lee allein zu Wort kommen zu lassen. Aber fangen wir vorne an. Dort haben MONEY „I Am The Lord“ platziert, ein mehr als sechs Minuten langer Song mit gediegenem Streichereinsatz und Sitar-Klängen, der eine Spur direkter klingt, als die Stücke des Debüts. Das gilt auch für das restliche Album. Die Produktion wirkt dabei weniger „perfekt“, als auf dem Debüt. Das sorgt für einen deutlich organischeren Sound, den man stellenweise fast als psychedelischen Singer Songwriter Pop beschreiben könnte und auch den Charakter der Liveperformances von MONEY einfängt. Auch dort steht häufig eine Akustikgitarre im Zentrum, zu denen sich vor allem Pianoklänge und schwermütiger Gesang gesellen.

Je nach Stück bleibt es fast auch bei diesen Zutaten, wie bei dem bittersüßen „You Look Like A Sad Painting On Both Sides Of The Sky“, das ansonsten nur noch mit ein paar Streichern aufwartet. Teils gesellen sich auch noch Bläser hinzu, um den meist düsteren, melancholischen Stücken dabei zu helfen, diese immer im Kern enthaltene Hoffnung zu verstärken. So gelingt es Money am Ende auch wieder, dass sich beim hören ein positives Gefühl breit macht, das wohlig nachhallt, ohne dabei pompös daher zu kommen..dafür aber angenehm nachdenklich stimmt.

MONEY auf Deutschland-Tour

29. Februar 2016, Hamburg – Molotow
05. März 2016, Berlin – Kantine am Berghain

Facebook // Website // Label

Musik von MONEY bei Amazon.de kaufen

Discussion

Comments are closed.

Wir präsentieren: We Were Strangers auf Deutschland-Tour
Wir präsentieren: The Lake Poets auf Deutschland-Tour
Wir präsentieren: Clock Opera – auf Deutschland-Tour im April 2017

Archive