Rezensionen

Moll Flanders – If You Can't Understand What You Don't Understand It's Not Easy

Daniel Defoe ist nicht gerade der Schriftsteller, bei dem man sofort einen Romantitel vor Augen hat. Gleiches gilt auch für den Romantitel „Robinson Crusoe“, eine Geschichte, die wirklich jeder kennen dürfte, aber die wenigsten mit einem Autor verbinden. Vermutlich verbinden inzwischen sogar mehr Leute Tom Hanks mit diesem Namen. Aber das ist eine andere Geschichte. Also, der Daniel Defoe, der „Robinson Crusoe“ und damit einen Literaturklassiker geschaffen hat, veröffentlichte vor relativ genau auch einen Roman namens The Fortunes And Misfortunes Of The Famous Moll Flanders“, nach dem sich die schwedische Band, um die es hier gehen soll, benannt hat. Ein Roman über die Tücken, die das Leben dem Waisenkind Moll Flanders in den Weg legt, das von Schicksalsschlägen gebeutelt ein halbes Dutzend Male heiratet und am Ende doch ihr Happy-End findet.

Das mit dem halben Dutzend Hochzeiten dürften die sechs Mannen von Moll Flanders auf einen Schalg hinkriegen und auch sonst meint es das Schicksal gut mit ihnen. Bereits für ihr erstes Album wurden sie vom Friska Viljor Label Crying Bob entdeckt und bekamen dafür einigen Applaus in ihrer schwedischen Heimat. Für Album Nummer 2, mit dem tiefsinnigen Titel „If You Can’t Understand What You Don’t Understand It’s Not Easy“ schnappten sie sich dann auch noch Label-Chef und Friska Viljor Gitarrist Daniel Johansson als Produzenten und verbarrikadierten sich die Sechs in einer kleinen unbheizten Hütte, die zugleich Studio war und nahmen 12,5 neue Stücke auf. Stücke, die mit der traurigen Geschichte der Moll Flanders und der Kälte der Hütte wenig gemein haben. Vielmehr strahlen alle Stücke eine gemütliche, fröhliche Wärme aus. Wie der Opener „Something Good“, der mit rau kehligem Gesang und Klimperklavier gut gelaunt drauflos rumpelt. Referenzen finden sich hier beim Produzenten (Friska Viljor), Port O’Brien und in deutlichen Anklängen an die 60er Jahre. Auch das folgende „1983“ steigert die gute Laune immens weiter, dank nach vorne gehendem Rhythmus und drängelnden Synthies. Der Hörer ist ab sofort in den Bann gezogen und die musikalische Reise durch schwedische Sommerwiesen kann weiter gehen. Bei „La La La“ wird die Stimmung etwas dunkler, das Tempo etwas gedrosselt, die Wärme aber nicht verbannt. So entwickelt sich der wehmütige Rocksong dann auch zum ersten großen Highlight des Albums. Neben dem Indie-Rock der drei ersten Stücke haben Moll Flanders auch ein gute Gespür für den Folk, den sie etwa in „A Million Years“ lässig und mit jeder Menge „Ohohos“ zelebrieren. Nicht immer ist die Mischung der Zutaten ganz so gelungen und es gibt etwa mit „Moonbattle“ ein paar Längen. Die Stärken überwiegen aber und machen das zweite Album der Schweden zu einem unterhaltsamen, meist fröhlichen, mal nachdenklichen, aber immer warmherzigen Hörerlebnis.

Rating: ★★★½☆
Moll Flanders

Video zu „Adore You“

httpv://www.youtube.com/watch?v=eEO2vAT7bpc

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