Rezensionen

Mirah – (a)spera

Es gibt Musiker, die gelten in ihrer Heimat auch trotz ausbleibender Breitenwirksamkeit als musikalische Genies und in Szenekreisen als einflussreiche Größen. Über diese Szenekreise hinaus gelingt es diesen Musikern meist jedoch nicht sich einen Namen zu machen, das liegt wohl auch daran, dass sie dermaßen in ihren ganzen Projekten involviert sind, dass für noch mehr Arbeit gar keine Zeit bleibt. In der Independent-Szene Amerikas ist Mirah Yom Tov Zeitlyn eine dieser Musikerinnen. Sie treibt sich nun schon seit der Jahrtausendwende in der amerikanischen Independent-Szene herum und hat sich mit mittlerweile vier Alben, mit denen sie ihre ganz eigene Version amerikanischer Folk-Musik, mit Anklängen aus Joanna Newsom und My Brightest Diamond, kreierte einen Namen erspielt, den sie nun mit ihrem fünften Album (a)spera auch über den Atlantik nach Europa tragen möchte.

Mit ihrem ausgereiften und erwachsenen Sound dürfte ihr das auch gelingen. Bei „Generosity“ lässt sie sich durch marschierenden Geigensounds durch einen ruhigen Song geleiten, den sie vor allem durch ihren leicht mädchenhaften, vielfältigen und intelligenten Gesangsstil trägt. Ein Gesangsstil, mit dem sie ruhig und sanft in Sicherheit wägen kann, aber auch beinahe bedrohlich laut und stark herausschreien kann. So bewegt sie sich durch Klanggebilde, wie durch Zauberwälder und sieht sich mal Folkpop-Klängen mit Streicherarrangements entgegen, mal einem elfenhaften Frauenchor, der sie sanft zu ihrer akustischen Gitarre unterstützt. Das ist nicht immer leichte Kost, insbesondere, wenn asiatische und arabische Einflüsse ins Spiel kommen, aber immer erwachsen und detailliert gearbeitet. Wenn beispielsweise Mirah ganz allein und still, wie in „The Forest“ beginnt und dann plötzlich eine E-Gitarre, ein Chor, Pauken und Trompeten einsetzen, dann ist das schon sehr beeindruckend. Manchmal gerät die Elaboriertheit, die dem Album innewohnt dann aber doch etwas anstrengend, wie bei „Country Of The Future“ mit einem hibbeligen Bass, Bongos und einem croonenden Gesang. Der große Vorteil von (a)spera, diese Verschlossenheit und Vielschichtigkeit, die sich erst nach mehrmaligem Hören in voller Schönheit entfalten, ist zugleich auch eine kleine Schwäche, denn teilweise wollen sich die Stücke auch bei mehrmaligem Hören nicht erschließen und behalten ihre Schönheit für sich. Das ändert aber nichts am Gesamteindruck, dass (a)spera ein über weite Strecken schönes Album ist, mit dem Mirah ihrem Ruf mehr als gerecht wird.

(a)spera – Mirah

Myspace (alt) // Label

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