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Mikroboy – Nennt Es, Wie Ihr Wollt

Nach „Siva.“ gestern behandeln wir heute wieder eine Berliner Band, die eigentlich als Soloprojekt gestartet ist, aber inzwischen aus vier Musikern besteht. Als solches lernten wir sie auch durch einen Zufall kennen, denn Bandgründer und Sänger Michi Ludes trat als einziger Abgesandter der Band im Februar im Vorprogramm von Bloc Party auf, weil das Geld nicht reichte, um die ganze Band nach Münster zu bringen. So stand er denn da also ganz allein mit seiner akustischen Gitarre und seinem Notebook und machte gar keine schlechte Figur. Unsere Neugier auf Mikroboy war geweckt und die EP „Bis Zum Ende“ kurz darauf im Plattenregal. Bereits auf dieser zeigte die Band um Michi ein Händchen für kurzweilige Indie-Pop-Melodien mit deutschen Texten und elektronischen Spielereien. Kein Wunder also, dass sich von der EP nun mit „Du. Nicht Wir!“, „Traumweltleben“ und „Vom Leben und Verstehen“ gleich drei Fünftel der Stücke auch auf dem Debütalbum „Nennt Es, Wie Ihr Wollt“ wieder finden. So können nämlich auch neu hinzugekommene Hörer (die es bald reichlich geben wird) in den Genuss dieser Stücke kommen, ohne sich gleich die EP zu kaufen.

Dass Mikroboy somit auch drei Stücke weniger für ihr Debüt schreiben mussten ist da mehr als angenehmer Nebeneffekt, denn als gewollter Verzicht zu sehen. Aber lassen wir diese Überlegungen bei Seite und widmen uns dem Album. Das startet mit einem langen Klimper-Intro, das in den Song „Glück reimt sich auf Augenblick“ mündet. Dadurch kommt das Album leider nur langsam in Fahrt, die nimmt es dann aber gewaltig auf, wenn die Band sich bei Minute 4:30 beinahe in den Bombast steigert und den Song mit einer nennen wir es Wand aus Gitarre, Piano und Drums ausklingen lässt. Das ist dann so etwas wie wie eine Belohnung für den Hörer, der es schaffte das lang Intro auszuharren. Das gewonnene Tempo wird dann in „Raus mit der schlechten Luft, rein mit der guten“ aufrecht erhalten. Der Song, der gleichzeitig auch die erste Single aus dem Album ist, zeigt sich als gefällige Uptempo-Nummer mit eingängiger Melodie und mitreißendem Gesang. Der ist auch eines der Markenzeichen von Mikroboy, denn die leicht melancholische Stimme von Michi ist zwar nicht wirklich markant, besitzt jedoch jede Menge Pop-Appeal und das wichtigste ist, Michi weiß damit umzugehen, betont so, dass sich der Gesang mal mehr wie ein Instrument in den Sound einfügt und mal in den Vordergrund rückt, um der Geschichte, die er erzählt Raum zu geben. Das sind Geschichten über Teenager-Schwärmereien, das Erwachsenwerden, das Aufwachsen auf dem Land und das Leben in der Stadt. Die elektronischen Einspränkelungen aus blubbernden Computersounds und Synthie-Flächen sorgen für die zusätzliche eigene Note und heben die Stücke ab aus der Masse deutschsprachiger Indie-Popper. Als besonders gelungen erweist sich diese Mischung bei „Traumweltleben“, dem eine tolle Synthie-Melodie zu Grunde liegt, gepaart mit dem Mikroboyschen Indie-Pop entwickelt sich daraus so etwas wie ein kleiner Hit. Im Mid- bis Up-Tempo-Bereich, in dem auch dieser Song siedelt liegt auch eindeutig die Stärke der Band, wenn das Tempo etwas zurück genommen wird neigt das Quartett dazu sich in Belanglosigkeiten und einer Spur zu viel Pathos zu verlieren. Das scheinen Mikroboy aber auch selbst zu wissen, denn solche Songs sind sehr rar gesät. Wie schon der Opener „Glück reimt sich auf Augenblick“, hebt sich auch der Schlusssong „This Room“ aus dem Gesamtsound ab. Der Song ist etwas dunkler als der Rest und hat einen englischen Refrain, der wohl der Zusammenarbeit mit Get Well Soon geschuldet ist, mit denen dieser Song entstanden ist. Diese Mischung erweist sich als weiteres Highlight des Albums und rundet das Gesamtbild gelungen ab.

Rating: ★★★★☆
Mikroboy

Video zu „Raus mit der schlechten Luft, rein mit der guten“

Myspace // Label

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