Rezensionen

Menomena – Mines

Nur knappe drei Jahre haben sich Menomena Zeit für ein neues Album seit dem 2007er „Friend and Foe“ Zeit gelassen. Drei Jahre klingt erst einmal nach viel Zeit, bedenkt man aber, was die Band in der Zwischenzeit so alles erlebt und vollendet hat, ist es doch eher ein Wimpernschlag. Zunächst folgte dem Release von „Friend and Foe“ erst einmal ein Riesenhype und eine Grammy-Nominierung. Danny Seim veröffentlichte nur ein Jahr später, also 2008 ein neues Album als Lackthereof, Brent Knopf produzierte das gefeierte Album „Replace Why With Funny“ von Dear Reader und verdiente sich Solo-Lorbeeren mit seinem großartigen Solo-Debüt „Intuit“ als Ramona Falls, auf dem er rund 30 Gastmusiker versammelte.

Menomena waren also trotz Pause nicht untätig. Das betrifft auch die Arbeit an Bandmaterial und legen pünktlich zum Ausklang des diesjährigen Sommerlochs einen heißen Kandidaten für die Jahrebestenlisten vor. „Mines“ heißt ihr viertes Album und das für Deutschland zuständige Label schwärmt mit Bezügen zu den Flaming Lips, Broken Social Scene, Lambdchop und Built To Spill und nennt Menomena „die kreativste, talentierteste und wichtigste Band“ im Stall und nenn „Mines“ „das vielleicht wichtigste Album des Jahres“. Dazu halten wir einmal im Hinterkopf, dass auf dem selben Label auch das neue Arcade Fire Album erscheint. Aber machen wir uns auch nichts vor, Labels müssen von ihren Schützlingen schwärmen, schließlich ist es ihr Job Bands gut aussehen zu lassen. Auch wenn das im Fall von Menomena nicht mehr nötig sein dürfte. Das Trio ist spätestens seit „Friend and Foe“ bekannt für ausgefeilte, vielschichtige Arrangements, raffinierte Songstrukturen und verrückte Ideen. Und das zeigen sie auch auf „Mines“. Ein ruhiger melodischer Einstieg mit „Tithe“ wiegt den Hörer erst einmal in trügerischer Sicherheit. Man könnte meinen, Menomena hätten den Popsong für sich entdeckt. „TAOS“ bewegt sich dann jedoch weg vom Pop hin zum Rock. Die Band tobt sich aus mit lautem Gesang, knarzenden Gitarren und stampfenden Drums, um den Song im Verlauf mehrmals in eine völlig andere Richtung laufen zu lassen. Dabei verliert das Trio aber nie die Kontrolle und wechselt von ruhigen Momenten zu rockigeren Momenten, um die Gitarren wieder verstummen zu lassen, Bläser uns Streicher in den Vordergrund zu rücken und gegen Ende dann noch einmal alles zusammen laufen zu lassen. Bei manchen Bands würde so eine Herangehensweise in ein heilloses Chaos enden. Menomena gelingt es, gerade durch diese Manöver das Album lebendig zu halten. Hier hat alles seinen Platz, auch wenn sie die Eindrücke manchmal überschlagen. Um diese zu verarbeiten schafft die Band herrliche Ruheoasen, wie das famose „INTIL“ mit ruhiger Klaviermelodie und ruhiger Gesangslinie. „Mines“ ist vielleicht nicht das wichtigste Album des Jahres, aber auf jeden Fall eines, das man sich nicht entgehen lassen sollte, denn man könnte die mitunter „kreativste, talentierteste und wichtigste Band“ auf City Slang verpassen.

Rating: ★★★★½
Menomena

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