Rezensionen

Menace Beach – Lemon Memory

Menace Beach - Lemon Memory

Es wirkt beinahe so, als wäre „Ratworld“, der Titel des ersten Menace Beach Debüts, so etwas wie eine Vorahnung gewesen. Denn eine Weile nach dem Release wurden die beiden Musiker Liza Violet und Ryan Needham in ihrem Haus von einer Nagetier-Plage heimgesucht. Also überließen sie ihr Obdach einem Kammerjäger und flogen nach Ibiza, wo sie begannen die Songs für ihr zweites Album zu schreiben. Nicht gerade der Ort, von dem man erwartet, dass dort ein Rock-Album entsteht, aber nur, weil man sich auf einer Partyinsel befindet, bedeutet das ja nicht, dass sich die gesamte Persönlichkeit ändert. So sind Menace Beach dann natürlich auch ihrem 90er Jahre Indie-Rock Sound treu geblieben, der sie 2015 in einigen Jahresbestenlisten auftauchen ließ und den sie rund ein halbes Jahr später mit der EP „Super Transporterreum“ weiter ausarbeiteten.

Damit die Erfolgskurve für das Duo und seine Mitmusiker auch weiterhin nach oben zeigt, haben sie sich für „Lemon Memory“ die Dienste von Produzent Ross Orton gesichert, der schon für Roots Manuva, M.I.A., The Kills und Arctic Monkeys gearbeitet hat.

Auf „Lemon Memory“ machen Menace Beach dann auch wirklich da weiter, wo sie auf ihrer experimentellen EP aufhörten. Der fuzzige, rotzig knackige Slacker-Sound des Vorgängers rückt dafür etwas in den Hintergrund und macht einer selbstbewussteren, rotzigen Alt-Rock Note Platz. Bei „Give Blood“ stänkert das Duo zu abgehackten Gitarren gegen eine imaginäre Band, die immer über den Tod singt und klingt dabei gesanglich ein wenig nach den Gallagher-Brüdern. Insgesamt ein holpriger Einstieg, der auch mit „Maybe We’ll Drown“ erst einmal nicht einfacher wird. Zu einem leicht leiernden Stakkato-Sound singt Liza Violet darin untermalt von einem monotonen Keyboard, das durch Mark und Bein geht. In der Folge wird es dann erst einmal wieder einfacher. Menace Beach besinnen sich dabei nämlich auf ihre Stärken, ziehen das Tempo etwas an, mischen ein wenig Grunge und psychedelische Elemente in ihre Songs und liefern mit „Can’t Get A Haircut“ dabei sogar ein Stück, auf das Dinosaur Jr sicherlich auch stolz wären. Leider verlieren sich Menace Beach dann aber immer wieder in leicht trantütigem Mid-Tempo und versuchen sich zu häufig an charmant verschroben gedachten Keyboard-Sounds, die aber durch den leiernden, zu sehr nach vorn gemischten Klang, das Bild nur zu trüben vermögen. Am Ende sind es die Ausreißer nach oben, wie das erwähnte „Can’t Get A Haircut“, das leicht punkige „Sentimental“ und das dronige „Hexbreaker II“, die in der Summe milde stimmen und den zweiten Streich von Menace Beach wie eine Art Experiment erscheinen lassen, bei dem jeder selbst entscheiden muss, wie er die sich stark unterscheidenden Auswüchse wertet. Insgesamt ein interessantes Album, das aber sicherlich nicht jeden bisherigen Fan abholen wird.

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