Rezensionen

Maxïmo Park – Too Much Information

Maximo Park - Too Much Information

Zehn Jahre ist es jetzt schon her, dass eine junge Band aus Newcastle mit „The Coast Is Always Changing“ ihre erste Single veröffentlichte. Damals waren Maxïmo Park der neue heiße Scheiß aus Englands Norden und bildeten zusammen mit Franz Ferdinand, Kaiser Chiefs, The Rakes und The Futureheads die New Wave of British New Wave. Seitdem haben es Maxïmo Park auf vier Studioalben, eine B-Seiten Sammlung, unzählige Singles und mehrere Gold-Auszeichnungen in England gebracht. Zum zehnjährigen Releasejubiläum veröffentlicht das Quintett mit „Too Much Information“ nun sein bereits fünftes Album. Dabei sind seit dem letzten Album „The National Health“ gerade einmal 18 Monate vergangen. „Too Much Information“ also ein Schnellschuss? Eher nicht, laut Herangehensweise wohl eher das, was die Band schon immer machen wollte. Denn schon seit dem Debüt „A Certain Trigger“ nehmen Maxïmo Park ihre B-Seiten in Eigenregie auf und wollten das auch schon immer auf Albumlänge tun. Zusammen mit den Brüdern Peter und David Brewis von Field Music und bei einem Song auch Dave Okumu haben sie das nun wahr gemacht. Ursprünglich war zwar nur eine EP geplant, die Arbeit war aber laut Band so positiv schnell und machte so viel Spaß, dass „Too Much Information“ dabei rumgekommen ist.

Den Spaß, den Maxïmo Park an der Arbeit hatten, merkt man „Too Much Information“ auch an. Die Stücke wirken ungezwungen und das Quintett spielt befreit auf. Ohne Druck  und mit Freunden, die einen in und auswendig kennen, lässt sich eben einfacher arbeiten. Auch wenn der Druck bei den letzten beiden Alben „Quicken The Heart“ und „The National Health“ eher selbst auferlegt war, bzw. dadurch entstand, dass man mit dem Vorhaben ein Album zu schreiben, ins Studio ging. „Too Much Information“ ist in dieser Hinsicht ein Zufallsprodukt und zeigt Maxïmo Park so stark, wie vielleicht seit „Our Earthly Pleasures“ nicht mehr.

Der Opener „Give, Get, Take“ zeigt Maxïmo Park dabei gleich in einem ungewohnt fröhlich instrumentierten Song mit scheppernden Drums und starker Gitarrenmelodie. Der Text bildet mit seinem nachdenklichen Ton einen schönen Gegensatz und das gegen Ende ausbrechende Keyboard zeigt die Band, wie wir sie spätestens auch schon von „Quicken The Heart“ kennen. Das Quintett bietet hier also seine über die letzten zehn Jahre erarbeiteten Stärken in einem dreieinhalb Minuten langen Song. Dass Maxïmo Park auch Neuem offen gegenüber stehen, zeigt im Anschluss direkt „Brain Cells“. Ein düsteres Stück, das von Gitarrist Duncan Lloyd geschrieben und von Dave Okumu produziert wurde. Unterlegt mit pluckernden Beats, stampfenden Drums und einem warmen Synthieteppich über den Sänger Paul Smith deutlich ruhiger als gewohnt singt.

Ein fast gewohntes Highlight des Albums ist dann eindeutig „Leave This Island“. Eine dunkle Ballade in bester Tradition von „Books From Boxes“, „Going Missing“, „The Undercurrents“ und „Reluctant Love“. Durch den Einfluss von Keyboarder Lukas Wooller leicht elektronisch angehaucht mit schönem Klangteppich und durch die ruhige Note und den gefühlvollen Erzählstil von Paul Smith mit einigen Gänsehautmomentem. Ein Stück, das ein wenig an B-Seiten aus der „Our Earthly Pleasures“ und hinsichtlich des Synthieeinsatzes auch an „That Beating Heart“, einer B-Seite von „Quicken The Heart“, erinnert. Auch „Lydia, The Ink Will Never Dry“ zeigt den Einfluss der älteren B-Seiten der Band. Neben den Strophen, die an „I Haven’t Seen Her In Ages“ von „Quicken The Heart“ erinnern, hört man auch ein paar Elemente, wie man sie von der B-Seite „Too Many Letters“ kennt. Ein Stück, das sicherlich live richtig einschlagen wird. Beim folgenden „My Bloody Mind“ offenbaren Maxïmo Park eine wunderbar verrockte Seite. In einem dunklen Rocksong preschen die fünf Nord-Briten chaotisch, hibbelig und leicht punkig davon. Ein Stück, das so auch auf „A Certain Trigger“ hätte unterkommen können, gerade im Interlude bei Schellenkranz und Piano einen leichten Field Music Einfluss zeigt und trotzdem gleichzeitig wieder einmal an B-Seiten der Band, wie „Pride Before A Fall“ erinnert.

Warum vor allem die B-Seiten der Band maßgeblich für das Verständnis und den Einfluss auf „Too Much Information“ sind, zeigt dann „Is It True?“, ein Stück, das nämlich bereits 2012 als B-Seite von „Hips and Lips“ veröffentlicht wurde. Hier zeigt sich zusätzlich auch der Einfluss, den die Soloarbeit von Sänger Paul Smith, dessen Solo-Album „Margins“ vor rund dreieinhalb Jahren erschien, auf „Too Much Information“ gehabt hat. Verwaschener 80’s Sound mit einer Country Gitarre, die für die Akzente eingesetzt wird. Gerade vom Gesangsstil und der leicht unaufgeregten Art, hätte das Stück ebenfalls gut auf „Margins“ Platz finden können. „Drinking Martinis“ und „Midnight On The Hill“ sind auch Songs dieser Art. Ersterer weckt Erinnerungen an „Our Lady of Lourdes“, gerade in Hinsicht auf die Gitarren und den Gesang beim Übergang von den Strophen in den Chorus. „Midnight On The Hill“ mischt den Solo-Einfluss mit gewohnten Hooks der Band und einem ungewohnten Interlude mit beinahe Falsettartigem Gesang und einer Struktur, die man so eigentlich von Field Music kennt.

Den Rock haben Maxïmo Park auf „Too Much Information“ natürlich auch nicht verlernt. Das zeigen Songs, wie „I Recognise The Lights“,das punkig und fast chaotisch drauf los rockt. Ein wenig wie eine Mischung aus „Suffragete City“ von David Bowie und dem Paul Smith Solosong „Syrian Plains“, der es seinerzeit leider nicht auf das Album geschafft hat. Vom Keyboard-Einsatz her knüpft das Stück an die Live-Hits „Limassol“ und „Once A Glimpse“ an. Hinsichtlich Gitarreneinsatz und gehetzter Gesangsstruktur erinnert es vor allem an die „The Kids Are Sick Again“ B-Seite „Tales Of The Semi Detached“. Her Name Was Audre“ passt auch in diese Riege.. Mit zwei Minuten das kürzeste Stück auf „Too Much Information“. Schön schrammelig und hibbelig instrumentiert und mit dunkler Stimme in den Strophen. Der Bonustrack „Out Of Harm’s Way“ schlägt mit punkiger Note, chaotischer Struktur und einem tollen Synthieinsatz nochmals in diese Kerbe.

Der offizielle Albumabschluss „Where We’re Going“ ist einer dieser typischen akustischen Albumcloser der Band, wie es ihn auch schon bei „Quicken The Heart“ gab. Insgesamt vielleicht ein wenig kitschig, aber mit gelungenem Interlude. Ein Stück, das Maxïmo Park beinahe folkig zeigt und vor allem live als akustische Zugabe perfekt funktionieren könnte (wie es seiner Zeit mit Going Missing schon geschah). Damit beschließen Maxïmo Park ein fünftes Album, das in seiner Zusammenstellung und vom Sound her auch perfekt nach „A Certain Trigger“ und „Our Earthly Pleasure“ hätte kommen können. Die Erfahrungen der letzten zehn Jahre, gerade in punkto Gitarrenarbeit, sowie den Solo-Platten von Paul Smith und Duncan Lloyd, sowie dessen Arbeit mit Decade in Exile, wurden gekonnt verarbeitet. Partysongs sucht man auf „Too Much Information“ vergeblich. Jedoch waren Maxïmo Park auch nie eine Partyband, auch wenn Modefans der mittleren Hälfte des zweiten Jahrzehnts das wegen Hymnen wie „Apply Some Pressure“ und „Our Velocity“ für sich aus dem Quintett gemacht hat.

„Too Much Information“ verbindet das gewohnt nachdenkliche Songwriting der Band mit einigen neuen Elementen, wie einer tieferen Gesangsstimme von Sänger Paul Smith, einer insgesamt etwas unaufgeregteren und zurückgenommeren Note, was den Songs gut tut und eine deutlich gereifte Band zeigt. Auch der Pianoeinsatz fällt positiv auf. Das Piano setzt gute Akzente und zieht sich nicht quietschend mit Synthies und Keyboardeffekten im Hintergrund durch die Songs, wie speziell bei den beiden Vorgängeralben, eigentlich doch aber schon immer.  Dass hier ein anderer Schwerpunkt gewählt wurde, zeigt auch, dass Lukas Wooller, der bisher immer mindestens zur Hälfte eines jeden Albums an der musikalischen Gestaltung der Songs maßgeblich beteiligt war, nur „Leave This Island“ und den Bonus-Track „Out Of Harm’s Way“ zu seinem Eigen gemacht hat. Maxïmo Park hat die Eigenproduktion in Zusammenarbeit mit Field Music offensichtlich gut getan, denn so konsequent und ganz ohne Durchhänger hat man sie seit „Our Earthly Pleasure“ nicht mehr erlebt.

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Maxïmo Park live auf Deutschland-Tour (Support: His Clancyness)

12. Februar 2014, Hamburg, Docks
13. Februar 2014, Berlin, Huxleys
18. Februar 2014, München, Theaterfabrik
19. Februar 2014, Köln, Live Music Hall

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Discussion

  1. […] National Health” veröffentlichten Maxïmo Park Ende Januar ihr nunmehr fünftes Album “Too Much Information”. Ein Album, das alles andere als ein Schnellschuss ist, sondern die Band von ihrer stärksten Seite […]

    Posted by Maxïmo Park + His Clancyness – Botanique, Brüssel, 10. Februar 2014 | WhiteTapes | Februar 13, 2014, 4:36 pm
  2. […] ihrem vierten Album “The National Health” veröffentlichten Maxïmo Park vor kurzem mit “Too Much Information” ihr nunmehr fünftes Album. Das entstand im Gegensatz zu den Vorgängern eher spontan, weil die […]

    Posted by Maxïmo Park – Video zu “Midnight On The Hill” | WhiteTapes | April 1, 2014, 11:45 am

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