Rezensionen

Maxïmo Park – The National Health

Maximo Park - The National Health

Als Maxïmo Park aus Newcastle 2005 ihr Debüt „A Certain Trigger“ veröffentlichten, waren sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Gitarrenmusik aus England war gerade ziemlich en vogue und mit Franz Ferdinand, den Kaiser Chiefs, Bloc Party, The Futureheads, The Rakes und eben auch Maxïmo Park eine Hand voll Bands da, die in einen Hut geschmissen zum nächsten britischen Hype und einer Art „Art Rock“ Szene von 2005 stilisiert wurden. Sieben Jahre sind seitdem vergangen, die Kaiser Chiefs erlebten Top 10 Hits in der ganzen Welt, fielen danach tief und versuchen jetzt mit einem Best Of ihre Relevanz zu rechtfertigen. Franz Ferdinand galten immer als künstlerisches Aushängeschild der 2005er Szene. Mit ihrem 2009er Album „Tonight: Franz Ferdinand“ zeigten sie sich jedoch am Ende ihrer kreativen Kraft und befinden sich seitdem auf unbestimmter Pause, die nur durch die Produzententätigkeit Alex Kapranos‘ (CiTiZENS und RM Hubbert) und aktuell die diesjährigen Festivalauftritte unterbrochen wird (Berlin Festival). Ob es zum 2010 angekündigten Release des vierten Albums in diesem Jahr kommen wird steht ebenfalls noch in den Sternen.

The Rakes aus London machten 2009 nach drei guten Rock-Alben Schluss. The Futureheads befinden sich seit ihrem Debüt auf der Suche und veröffentlichen seit einer Weile auf eigen Faust Alben. Aus dem Blick der Szene sind sie dennoch geraten. Auch Bloc Party kämpfen mit dem 2005er Hype und versuchen es nach längerer Pause nun mit ihrem vierten Album „Four“. Ein Album, das sicherlich mehr als eine Standortbestimmung von Bloc Party sein wird. Nach den Trennungsgerüchten der letzten Jahre wird es wohl über das Fortbestehen der Band entscheiden. Einzig das Quintett von Maxïmo Park rund um Frontmann Paul Smith schien in den letzten sieben Jahren unbeeindruckt von Hypes um Szenen und Trends und blieb sich treu. Nach ihrem Debüt veröffentlichten sie im Zweijahrestakt neue Alben. Ihr zweites Album „Our Earthly Pleasures“ erreichte sogar Platz 2 der britischen Albumcharts und der Song „Books From Boxes“ wurde ein veritabler Radiohit in Deutschland, der heute noch in jeder Indie-Disko läuft. Mit ihrem dritten Album „Quicken The Heart“ schien die Band jedoch erstmals eine Übersättigung bei ihren Fans zu merken. „People were treating what I felt was a really good record like just another record by another band“ sagte Paul Smith 2010 im Interview mit uns.

Es schien also ein Punkt gekommen, an dem Maxïmo Park sich vielleicht erstmals etwas mehr hinterfragten. Sie verzichteten auf den Zweijahrestakt und ließen sich nun etwas mehr Zeit bis zum nächsten Schritt. Ganz weg war die Band dennoch nie. Mindestens einmal im Jahr ließen sich die fünf Jungs auf deutschen Bühnen blicken und spielten ein paar Konzerte. Das zeigt auch, dass Maxïmo Park Bandpausen nicht dafür nutzen, fern von der Musik zu leben. So nutzte Gitarrist Duncan Lloyd etwa die Zeit zwischen „Our Eartly Pleasures“ und „Quicken The Heart“ für den Release seines Soloalbums „Seeing Double“. Keyboarder Lukas Wooller arbeitet regelmäßig als DJ und zeichnete sich unter anderem für einen Fettes Brot Remix des Stücks „Erdbeben“ verantwortlich. Paul Smith nutzt Pausen zwischen den Alben auch für andere Projekte und spielte zum Beispiel immer wieder mit seiner ersten Band MeandthetwinS. 2010 veröffentlichte er dann das Soloalbum „Margins“ (Rachel Lancaster von MeandthetwinS war auch Bestandteil seiner Live-Band), 2011 schrieb die Band einen Soundtrack für einen Kurzfilm und zwischendurch wurden anscheinend immer wieder Ideen für neue Songs ausgetauscht und die Zukunft geplant. Auch mit neuem Label. Der Vertrag mit Warp war nach „Quicken The Heart“ schlichtweg ausgelaufen und man wollte anstatt einfach erneut bei Warp zu unterschreiben, einmal ohne die Richtung, aber sehr wohl den Blickwinkel ändern. Maxïmo Park nahmen auf eigene Faust ohne Label und mit geplünderten Bankkonten ein Album mit Produzent Gil Norton auf, der sich auch schon für „Our Earthly Pleasures“ verantwortlich zeigte und unterschrieben einen Vertrag mit V2 Records. Mit größerem Label im Rücken scheint die Band nun nach sorgfältiger Planung den nächsten großen Schritt gehen zu wollen. Die Band beweist damit zumindest wieder, warum sie als smarteste Band der 2005er Generation gesehen werden, vielleicht auch, weil sie einige Kollegen schnell aufsteigen und ebenso schnell wieder fallen sahen. Nicht alles auf einmal, sondern stetig – scheint die aufgehende Formel zu lauten.

Trotz gleicher Produzentenwahl ist „The National Health“ aber alles andere als ein „Our Earthly Pleasures“ Teil 2. Vielmehr zeigt es die logische Entwicklung einer Band, die mit drei Veröffentlichungen innerhalb von vier Jahren und zehn Jahren als Band viel erlebt und verarbeitet hat. Das bedeutet aber nicht, dass Maxïmo Park deshalb zwangsweise nachdenkliche Töne anschlägen und altklug zurückblicken. Vielmehr besinnt sich die Band auf ihre Stärken. Dazu gehört ein gutes Gefühl für Melodien, die Fähigkeit aus chaotisch wirkenden Stücken, die scheinbar drei Songs gleichzeitig beinhaten, einen Hit zu zaubern, viele Emotionen und das richtige Timing.

Der Opener „When I Was Wild“ zeigt dabei die gefühlvolle Note. Paul Smith singt in dem Ein-Minüter sanft, nur unterstützt von einem Piano und Streichern, in einem Stück, das so auch auf seinem Soloalbum „Margins“ hätte veröffentlicht werden können. Es folgt das Titelstück und Maxïmo Park rocken energiegeladen und jugendlich los als wäre immer noch 2005. Die Band ist zwar sieben Jahre älter, aber man muss es ihnen ja nicht anhören. Gerade das entwickelt sich in der Folge auch zur Stärke von „The National Health“, Maxïmo Park schaffen es nämlich ihre nach wie vor vorhandene jugendliche Ungestümheit mit reifem Songwriting und diesem unglaublichen Gespür für Hooks und gutem Timing zu paaren.

Immer wieder streuen sie dafür auch wieder kleine Neuerungen ein, mit denen sie ihren Sound bereichern. „Hips And Lips“ etwa beginnt mit einem Piano-Intro und besitzt drückende Elektro-Beats, die wirken, als wären Maxïmo Park bei Bloc Party in die Lehre gegangen. Verbunden mit Smith’s forderndem Gesang und treibendem Gitarrenspiel ist dieses Stück wieder ein erstklassiger Kandidat für die Indie-Disko. „Reluctant Love“ ist ein verspielter Indie-Pop-Song mit süßlicher Keyboard-Melodie und mit leicht romantischem Unterton singendem Smith, der in Sicht auf Maxïmo Park Lo-Fi Qualitäten besitzt, die Fans bisher leider nur auf den B-Seiten der Singles zu hören bekamen. Ein weiteres Highlight ist auch „This Is What Becomes Of The Broken Hearted“. Eine schnelle Pianopop-Ballade mit ebenso großer Gitarrenmelodie und sonnig klimperndem Piano, in der sich Maxïmo Park trauen die ganz großen Momente des Pop anzufassen und einen Song wie eine große Umarmung zu erschaffen. Eine kleine Überraschung bietet auch „Until The Earth Would Open“, ein Stück mit verspieltem Math-Rock-Intro, das in der Folge in einen typischen Maxïmo Park Song übergeht. Insgesamt wirkt das Album mit seiner etwas leichteren, unbekümmerteren Stimmung so, als hätten Maxïmo Park nach sieben Jahren wieder den Kreis zu ihrem Debüt „A Certain Trigger“ geschlossen.

Das gesamte Album bietet eine ausgewogene Mischung zwischen diesen kleinen Pop-Momenten, typischen Maxïmo Park Krachern und kleinen Experimenten. Ein Album, auf dem düstere Rocksongs, wie „Banlieue“ mit drückendem Bass und tiefem Gesang genauso Platz haben, wie fröhliche Party-Songs der Marke „Wolf Among Men“, der sonnige Indie-Pop von „Take Me Home“ und ganz ruhige Momente, wie „Unfamiliar Places“, die so auch auf Smith’s Soloalbum Platz hätten finden können. „The National Health“ dürfte somit wirklich der nächste große Schritt auf der Karriereleiter von Maxïmo Park sein und mehr als nur „just another record by another band“.

Maxïmo Park auf Tour

24. Juni 2012, Frankfurt, Lüften Festival 2012
20. Juli 2012, Karlsruhe, Das Fest 2012
21. Juli 2012, Schloß Holte-Stukenbrock, Serengeti 2012
28. Juli 2012, Großefehn, Omas Teich Festival 2012
10. August 2012, Hamburg, Dockville Festival 2012
08. September 2012, München, Energy In The Park 2012

16. Oktober 2012, Erlangen, E-Werk
19. Oktober 2012, Berlin, Astra
20. Oktober 2012, Leipzig, Werk 2
21. Oktober 2012, Hamburg, Große Freiheit 36
23. Oktober 2012, Frankfurt, Gibson
27. Oktober 2012, Köln, Live Music Hall


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Discussion

  1. […] Maximo Park-Album ist draussen, und darauf freue ich mich auch außerordentlich, vor allem nach dieser Rezension. Aber sonst viel übliches Rauschen. Ein Highlight für mich: der neue Song von Grizzly Bear, vom […]

    Posted by Grizzly Bear – Sleeping Ute (und: ja, ich bin wieder da) | nicorola | Juni 12, 2012, 9:38 pm
  2. […] “Too Much Information”, das am 31. Januar 2014, nur zwei Jahre nach dem letzten Album “The National Health” erscheint. Aufgenommen wurde es unter anderem in Newcastle und Sunderland mit verschiedenen […]

    Posted by Maxïmo Park – streamen Mazzy Star Cover “Fade Into You” | WhiteTapes | Januar 16, 2014, 8:43 pm
  3. […] genau acht Tagen ist es hier endlich so weit. Nur zwei Jahre nach ihrem letzten Album “The National Health” veröffentlichen Maxïmo Park dann ihr fünftes Album “Too Much […]

    Posted by Maxïmo Park – (Lyric-)Video zu “Lydia, The Ink Will Never Dry” | WhiteTapes | Januar 23, 2014, 5:21 pm
  4. […] Much Information”, das nächsten Freitag weniger als zwei Jahre nach dem letzten Album “The National Health” veröffentlicht wird. Seit ein paar Tagen läuft das fünfte Album des Quintetts aus Newcastle hier […]

    Posted by Verlosung: Maxïmo Park – das neue Album “Too Much Information” als CD gewinnen | WhiteTapes | Januar 25, 2014, 4:10 pm
  5. […] Much Information” nun sein bereits fünftes Album. Dabei sind seit dem letzten Album “The National Health” gerade einmal 18 Monate vergangen. “Too Much Information” also ein Schnellschuss? Eher […]

    Posted by Maxïmo Park – Too Much Information | WhiteTapes | Januar 29, 2014, 2:23 pm
  6. […] eineinhalb Jahre nach ihrem letzten Album “The National Health” veröffentlichten Maxïmo Park Ende Januar ihr nunmehr fünftes Album “Too Much […]

    Posted by Maxïmo Park + His Clancyness – Botanique, Brüssel, 10. Februar 2014 | WhiteTapes | Februar 13, 2014, 4:33 pm
  7. […] eineinhalb Jahre nach ihrem vierten Album “The National Health” veröffentlichten Maxïmo Park vor kurzem mit “Too Much Information” ihr nunmehr […]

    Posted by Maxïmo Park – Video zu “Midnight On The Hill” | WhiteTapes | April 1, 2014, 11:45 am

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