Rezensionen

Maxïmo Park – Risk to Exist

Maximo Park - Risk To Exist

Denkt man an Post-Punk, hat man Joy Division im Kopf, bei Grunge ist man direkt bei Nirvana und Brit-Pop lässt einen an Blur und Oasis denken. Mitte der Nuller Jahre gab es wieder eine von der britischen Presse mit viel Hoffnung hochstilisierte Welle. Die gesellschaftliche Schlagkraft der vergangenen Jahrzehnte hatte diese nicht. Wohl auch, weil sich die musikalische Ausrichtung der Bands noch weitaus hetereogener gestaltete, als beim Brit-Pop. Bis auf ihre Herkunft aus Großbritannien hatten Bloc Party, Franz Ferdinand, Kaiser Chiefs, The Futureheads und Maxïmo Park nämlich eigentlich nicht viel gemeinsam. So hat sich daraus auch nie eine wirkliche Szene entwickelt und dennoch haftet allen Bands seitdem das Label an, Bestandteil dieser Bewegung gewesen zu sein. Teil einer Bewegung ist aber auch immer die erwähnte gesellschaftliche Relevanz und der Wille von Bands, sich ihren Platz in ihr zu suchen und sie auch zu kritisieren, wenn es sein muss. Das taten allenfalls Maxïmo Park und zwischendurch auch etwas hölzern The Futureheads. Beides Bands, die rückblickend immer ein wenig als ruhige Außenseiter galten. Während Franz Ferdinand und Bloc Party auch mal mit negativen Schlagzeilen die Titelseiten des NME schmückten, liefen Maxïmo Park einfach mit und machten ihr Ding.

Dieses Ding beinhaltete auch immer Gesellschaftskritik und politische Äußerungen, die mal nur zwischen den Zeilen zu lesen waren, oder wie bei „The National Health“ ganz deutlich vorgetragen wurden. Ein Problem daran ist, dass vom Schreiben bis zum Release die Message nicht mehr aktuell sein kann. Dieses Risiko hat das Quintett gern in Kauf genommen und sich auf seinem nunmehr sechsten Album „Risk to Exist“ mit deutlichen Statements zur aktuellen politischen Lage in England und der EU, zum Umgang der EU und Englands mit Flüchtlingen und zur Krise des britischen Gesundheitssystems ausgetobt. Dass die Mannen um Paul Smith jetzt nicht unbedingt die größten Fans des Brexit und der Tories sind, dürfte dabei nichts Neues sein. Dass sie es schaffen, ihre Botschaften ohne Holzhammer, sondern gern als Subtext zu verpacken und sie zudem in tanzbaren Indie-Rock zu kleiden, spricht für das lyrische Geschick des Frontmanns und das musikalische Können der Musiker zusammen.

Denn Maxïmo Park wissen auch, politische Kritik muss nicht bedeuten, dass alle Songs zwingend ernsthaft sind. Stattdessen bieten die fünf Musiker mit „Risk to Exist“ ihren typischen Sound, der sich nach kleineren Ausflügen auf den vergangenen Alben im Kern wieder auf das Debüt „A Certain Trigger“ und das Zweitwerk „Our Earthly Pleasures“ beruft. Inzwischen angereichert um eine Prise Funk, inkl. Bläsersection und stimmliche Unterstützung von Mimi Parker von Low (die man leider nur selten wirklich raushört). Dieser Einfluss erscheint zwar im ersten Hören gewöhnungsbedürftig, tritt aber mit jedem weiteren Durchlauf in den Hintergrund und der typisch dringliche Maxïmo Park Sound, bei dem Gitarrist Duncan Lloyd von einer Hook zur nächsten eilt, tritt in den Vordergrund. Abgehackte Rhythmen treffen auf schrammelige Gitarren, das Keyboard garniert die Stücke wie eh und je und Paul Smith zeigt alle Facetten seines Gesangs von schmachtend bis anklagend. Auffällig ist diesmal der Einsatz des Bass, denn der prescht funkig und groove-gebend oft im Alleingang in den Gehörgang. Etwas, dass man so bisher nur von der 2005er B-Seite „Hammer Horror“ kannte. Insgesamt führt der Funk bei Maxïmo Park dazu, dass alles etwas relaxter, fast „mellow“, wirkt. Nur hier und da gibt es die Ausreißer, die live wieder Moshpits hervorrufen werden. Ruhiger ist das Album trotzdem keinesfalls. Für den ein oder anderen vielleicht etwas zu real. Viele hören Musik, um dem Alltag zu entfliehen und das ist momentan aktueller denn je, wenn man jeden Tag aufs Neue die Schlagzeilen liest.

Musik war aber schon immer Kunst und Kunst war schon immer real, ob es da nun um Liebe, Gesellschaftskritik oder Politik geht, gezeichnet, gemalt, in Stein gehauen oder mit Instrumenten und Gesang ausgedrückt. Wenn Kunst aufhört, real zu sein ist der Weltuntergang vermutlich nah. Im Fall von Maxïmo Park darf man auch nicht vergessen, dass die Band immer etwas anderes war, als die Singles suggerierten. „Books From Boxes“ und „Girls Who Play Guitars“ sind alles andere als typische Songs, die die Band widerspiegeln. Schon immer gab es die Punk- und Grungeeinflüsse, was wohl nur die kennen, die das alles schon mehrfach live erleben durften und so auch wissen, wie sich Songs über die Jahre verändert haben oder eben live ganz anders aufgezogen werden, als auf der Platte. Das schöne an Risk To Exist ist definitiv die Ehrlichkeit und die geht durch Mark und Bein. Genauso, wie Paul Smith’s Stimme, die herrlich tief geworden ist und die man so bisher nur von B-Seiten und seinem ersten Soloalbum kannte.

Maxïmo Park auf Deutschland-Tour

23.-25. Juni 2017, Hurricane / Southside Festival
21. Juni 2017, Hamburg- Reeperbahn Festival

25. September 2017, Köln – Live Music Hall
28. September 2017, München – Backstage
29. September 2017, Berlin – Huxleys
30. September 2017, Wiesbaden – Schlachthof
01. Oktober 2017, Münster – Jovel

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