Rezensionen

Maxïmo Park – Quicken The Heart

„You don’t know nights of love? / Don’t petals of soft words float upon your blood? / Are there no places on your dear body / that keep remembering like eyes?“ besagt ein Zitat von Rainer Maria Rilke (Paris, summer 1909) im Booklet zum dritten Maxïmo Park Album „Quicken The Heart“. Der Romantiker Paul Smith singt also auch auf Album Nummer 3 wieder von dem Thema, dass er so brilliant verarbeiten kann, wie kaum eine andere britische Indie-Band. Die Liebe und alles, was damit zusammenhängt. Dadurch wird das Album nicht zur Vergangenheitsbewältigung für ihren Sänger, sondern vielmehr ist „Quicken The Heart“ als Standortbestimmung einer Band irgendwo zwischen Clubs und Arenen zu verstehen. Einer Band, die aus Newcastle auszog, sich einen Namen zu machen und mit „Apply Some Pressure“, „Books From Boxes“ und „Girls Who Play Guitars“ eine Reihe veritabler Radiohits vorweisen kann. Der es aber jederzeit auch gelang ihre Authentizität zu wahren. Das erfordert natürlich viel Disziplin und auch Freiräume. Für eben solche zog sich die Band auch für die Aufnahmen am dritten Album nach Los Angeles zurück, um weit weg von Fans, Presse und anderen Einflüssen sich selbst zu finden und vor allem als Band noch weiter zu wachsen.

Das ist gelungen, das Quintett ist noch weiter zusammengerückt, hat sich seine Identität als Maxïmo Park klar werden lassen und sein bisher schlüssigstes Gesamtwerk aufgenommen. Ein abgehetztes Hookline-Feuerwerk, wie auf „A Certain Trigger“ sucht man hier vergebens, auch die einschmeichelnde Hitneigung von „Our Earthly Pleasures“ findet sich auf „Quicken The Heart“ nicht. Maxïmo Park hatten ein Gesamtbild im Kopf, das hört man schnell und das findest sich auch beinahe auf ganzer Strecke wieder. Der Opener „Wraithlike“ treibt mit schriller Gitarre, schlackerndem Bass, Smith’s gehetztem Gesang und einem Autoscooter-Keyboard den Puls in die Höhe und zeigt, den Rock haben die Fünf nicht in Los Angeles gelassen. Den Hang zu zackigen Melodien natürlich auch nicht , das zeigen „The Penultimate Clinch“ und das tapsig fiepsende „A Cloud Of Mistery“. Gerade das Keyboard ist in vielen Tracks nun stärker in den Vordergrund gemischt, als noch auf den Vorgängern, wodurch beispielsweise ein Track wie „Roller Disco Dreams“ zu einem echten Discokracher wird. Wesentlichster Unterschied zu den Vorgängern, allen Songs liegt eine gewisse Reife und Aufgeräumtheit inne. Die Band ist merklich gewachsen, das zeigt sich etwa in Songs, wie „Calm“ durch eine extrem dichte Atmosphäre, clevere Ideen und eine tolle Melodie und den Song hierdurch zu einem der besten des Albums macht. Dabei schmeichelt sich keiner der Songs so an, wie etwa ein „Books For Boxes“, sondern alle wollen entdeckt werden und entwickeln sich hierdurch zu heimlichen Hits. Wie etwa das großartige „Questing, Not Coasting“ und das leicht düster trabende „In Another World (You’d Found Yourself By Now)“. Auf den Punkt bringt es die Band natürlich wieder selbst, nämlich im Song „Roller Disco Dreams“, da singt Smith „If it’s a grower / Why can’t we take it slower“. Bedeutet „Quicken The Heart“ öffnet sich nicht ganz so schnell, wie die Vorgänger, erwächst dann aber zu Maxïmo Park’s bisher stimmigstem und zusammenhängendstem Gesamtwerk und dem stärksten Drittwerk der britischen New Wave Bewegung des neuen Jahrtausends.

Rating: ★★★★½
Maximo Park

das komplette Album gibt’s bei Myspace im Stream

 

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Discussion

  1. […] “The National Health” ihr viertes Album und damit den Nachfolger zum 2009 erschienenen “Quicken The Heart”. Den Titeltrack stellten wir vor knapp vier Wochen vor und gestern feierte gestern im englischen […]

    Posted by Maxïmo Park - neue Single "Hips and Lips" im Stream | WhiteTapes | WhiteTapes | April 25, 2012, 2:14 pm

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