Rezensionen

Maximilian Hecker – I Am Nothing But Emotion, No Human Being, No Son, Never Again Son

Bei jedem Künstler gibt es wohl den Punkt in der Karriere, an dem man sein eigenes Tun und Handeln in Frage stellt. Das ist ein ganz normaler und häufig auch gesunder Prozess. Also gesung für das kreative Schaffen, die damit verbundenen Selbstzweifel können jedoch noch mehr an der Seele nagen, als jede gescheiterte Liebesbeziehung. Nichts von dem, was man macht scheint noch Sinn zu machen und das bisher vollbrachte scheint keine Authentizität mehr zu haben. So fühlte auch Maximilian Hecker zuletzt über seine Werke. Die dargestellten Emotionen fühlten sich live und im Studio nur noch einstudiert und aufgesetzt an. Er schien die Songs nicht mehr zu fühlen und begann den Bezug zu ihnen zu verlieren.  

Also begann Hecker sein Schaffen zu analysieren, zu hinterfragen, woher er seine kreative Energie bezieht und wie es ihm wieder gelingt Emotionen möglichst authentisch einzufangen und wiederzugeben. Das Ergebnis daraus ist sein neues Album „I Am Nothing But Emotion, No Human Being, No Son, Never Again Son“. Hecker entschied sich für eine ganz direkte Produktionsweise, setzte sich an sein Klavier und die Emotionen durch sich durchströmen. Wer das Werk von Maximilian Hecker kennt, weiß, dass es sich dabei vor allem um ruhige Balladen handelt. Etwas distanziert, mit viel Hall trägt Hecker seine traurigen Stücke vor. Die Geste ist dabei leider immer die gleiche, hier ist der traurige, vom Schicksal geläuterte junge Mann, der seinen Emotionen freien Lauf lässt. Mehr hat er nicht zu bieten, das zeigt auch bereits der Albumtitel. Dagegen spricht ja auch nichts, nur wäre eine größere Anzahl an Emotionen deutlich spannender, denn selbst Liebeskummer, Depressionen, Trauer und Einsamkeit gibt es in so vielen verschiedenen Schattierungen, dass Künstler, wie Finn. oder Ryan Adams mehrere Alben damit füllen konnten. Hecker gelingt es allerdings nicht seine Emotionen über Albumlänge interessant zu halten. Zu schnell nutzt sich die eine, in 13 winzigen Abwandlungen immer wieder vorgetragene Emotion ab. Auch wenn es einem Künstler nicht zu wünschen ist, aber manchmal ist der Prozess, bis Selbstzweifel wieder in ein brillantes Werk münden, auch etwas länger und beschwerlicher. Da reichen ein Vollbart und ein Hundeblick einfach nicht aus.

Rating: ★★½☆☆
Maximilian Hecker

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