Rezensionen

Luke Sital-Singh – Time Is A Riddle

Luke Sital-Singh – Time Is A Riddle

Normalerweise sind Klischees ja das letzte, auf das man sich bei der Einschätzung von Musik und Werdegängen berufen sollte. Doch bei Luke Sital-Singh fällt es schwer, sich nicht bei einem zu bedienen. Genau genommen das des aufstrebenden Singer-Songwriters, der mit eigenen EP’s und berührenden Live-Shows eine gewisse Fanbasis erzielt und direkt für sein Debütalbum bei einem Major Label landet. Trotz aller Absicherung und zugesicherter künstlerischer Freiheit, knirscht es zwischen beiden Parteien und das Ergebnis, das 2014 unter dem Titel „The Fire Inside“ erschien, stellt niemanden zufrieden.

Das Label wollte aus Luke Sital-Singh gern einen eigenen Tom Odell oder George Ezra erschaffen. Zwei Künstler, die zur selben Zeit auf einer kleinen Erfolgswelle schwappten, inzwischen aber auch wieder auf dem Boden der Tatsachen stehen. Nachdem Label und Musiker sich dann in gegenseitigem Einvernehmen trennten, ging Luke Sital-Singh wieder den gewohnten Weg und veröffentlichte zunächst 2015 die EP „The Breakneck Speed Of Tomorrow“, um sich in der Folge viel Zeit für eine Neuorientierung und sein zweites Werk zu nehmen.

Für die Aufnahmen zog er sich in das 2.200 Seelen-Dörfchen Donegal in Irland zurück, wo er alle Songs live einspielte. Die Produktion übernahm ein alter Bekannter von ihm, nämlich Tommy McLaughlin, Studiobesitzer und Mitglied der Villagers Liveband, die er schon bei mehr als nur ein paar Shows als Support unterstützte. Bei den Aufnahmen konzentrierte er sich auf seine Wurzeln, seine nachdenkliche Ader und seine frühesten musikalischen und literarischen Einflüsse. Das bedeutet für ihn handgemachte Kunst, der man die Eigenheiten des Künstlers anmerkt. Musikalisch bestreitet er damit ein weites Feld. Angefangen natürlich bei seinem ursprünglichen Markenzeichen, nämlich sanften Balladen, die nur aus Gitarrensound und seiner warmen Stimme bestehen. Angereichert immer mit einer Prise schwülstigem Pathos, der zum Glück nie peinlich oder zu gewollt wirkt. Hinzu kommen noch allerlei Elemente aus Seventies Rock, klassischem Folk und immer eine gute Prise Pop, der sich aber bei Luke Sital-Singh durch sein Schielen auf den Mainstream immer schon in die Songs gemischt hat. Einer der Gründe, warum sich am gebürtigen Londoner schon immer ein wenig die Geister schieden. Stellenweise geht es uns bei ein paar Songs auf dem Album auch so. Im Gesamtwerk gelingt Luke Sital-Singh mit „Time Is A Riddle“ jedoch das Kunststück trotz seines Hangs zu pompöseren Pop-Momenten, immer wieder komplexe Arrangements in feinsinnig gegliederte Songs einzustreuen. Dadurch kommt das Album mit der Tiefe daher, die Luke Sital-Singh schon immer von den Eingangs erwähnten Kollegen unterschied.

Luke Sital-Singh auf Deutschland-Tour

29. Mai 2017, Köln – Studio 672
01. Juni 2017, Hamburg – Nochtwache
02. Juni 2017, Berlin – Auster Club

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