Rezensionen

Luke Sital-Singh – The Fire Inside

Luke Sital-Singh - The Fire Inside

Es gibt so Künstler, die zwingen einen gefühlt dazu, sie zu mögen. Der 26-jährige Brite Luke Sital-Singh gehört dazu. Als er im Februar 2013 Villagers im Gebäude 9 supportete, war es bereits das zweite Mal, dass wir den Briten mit indischen Wurzeln live sahen. Zuvor supportete er die Band bereits auf der Tour in den Niederlanden, wo er uns in Zwolle noch ein wenig mehr begeistern konnte, als in Köln. Dennoch wollte der Funke damals noch nicht so ganz überspringen. Mit einem Wechsel zwischen E-Gitarre und Akustik-Gitarre präsentierte er teils starke, teils belanglose Popnummern, die in den besten Momenten an Jeff Buckley erinnerten. Für eine Gänsehaut war er damals aber schon gut, denn „I Have Been A Fire“ ist einfach ein Glücksfall von einem Song, der Luke Mitte 2012 gelungen ist und der seitdem dafür sorgte, dass er dem Booker von Villagers auffiel, in der Folge im Sommer 2013 jede Menge Festivals (unter anderem auch das Haldern Pop 2013 sowie 2014) spielen durfte und Anfang diesen Jahres in der BBC Liste Sounds of 2014 landete. Auch die Presse überschlug sich mit Lob, so sieht der britische Guardian in ihm den neuen Bon Iver und der NME hört sogar einen jungen Neil Young. Kein Wunder also, dass Luke Sital-Singh mit seinem Debüt bei einem Major unterkommen konnte.

So ein Major bringt es dann auch mit sich, dass einem für die Produktion des Debüts angemessene Mittel zur Verfügung gestellt werden können, wenn das Label große Hoffnung in einen legt. So durfte Luke sich Iain Archer als Produzenten wünschen (ehemaliges Snow Patrol Mitglied, Musiker bei Tired Pony und Produzent von u.a. Jake Bugg und Fionn Regan). Bei Sital-Singh fiel die Wahl jedoch nicht wegen der Reputation von Archer auf ihn, sondern weil er ihn bereits mit 19 Jahren als Musikstudent in Brighton kennenlernte. Neben Iain Archer an den Reglern ist mit Ed Harcourt (ebenfalls gern gesehener Gast auf dem Haldern Pop Festival) am Klavier ein weiterer bekannter Name auf dem Album vertreten.

In Anlehnung an seinen bis dato stärksten Song lautet der Titel „The Fire Inside“ und bietet mit „Nothing Stays The Same“ auch gleich einen Opener, der Feuer unter der Haube hat. Ein starker Popsong mit eingägigem Refrain und toller Grundstimmung. Das folgende „Greatest Lovers“ bietet die selben Zutaten, jedoch weniger zwingend und wie der Versuch, das Erfolgsrezept von „Nothing Stays The Same“ zu wiederholen. Das folgende „Bottled Up Tight“ ist auch ein bereits bekannter Song. Eine gefühlvolle Ballade von der „Old Flint“ EP, in der das Feuer textlich wieder eine große Rolle spielt und die zeigt, warum der Hype um Luke Sital-Singh gerechtfertigt ist. Und ein Song der zeigt, dass Vergleiche mit Damien Rice, Ryan Adams und Jeff Buckley vermutlich deutlich angebrachter wären, als jene mit Bon Iver und Neil Young. Zusätzlich ein Stück, mit dem Sital-Singh offenbart, dass Balladen mehr sein Ding sind. Mid- und Up-Tempo-Nummern werden, wie „Nothing Stays The Same“ sind nur fesselnd, wenn wirklich alles stimmt. Meist verfängt sich Luke in diesem Bereich jedoch in Plattitüden und sorgt schnell für Langeweile. In den Balladen merkt man jedoch, wofür das Herz von Luke Sital-Singh schlägt. Wenn er sich bei „I Have Been A Fire“ oder „Fail For You“ stimmlich rein steigert und seine Stimme diese raue Note bekommt, dann meint man zu spüren, wie seine Seele brennt. Das sorgt auch dafür, dass „The Fire Inside“ uns ähnlich zwiespältig hinterlässt, wie die beiden doch recht unterschiedlichen Auftritte Anfang 2013. „The Fire Inside“ bietet einen Songwriter, der für die Musik brennt und dem man seine Leidenschaft anmerkt. Das Problem hier ist jedoch, dass er auch der alten Redensart „wo viel Licht ist, ist auch Schatten“ gerecht wird und leider nicht uneingeschränkt überzeugen kann.

Luke Sital-Singh auf Deutschland-Tour

22. September 2014, Berlin – Kantine am Berghain
23. September 2014, Köln – Stadtgarten
24. September 2014, Hamburg – Prinzenbar


Luke Sital-Singh – Bottled Up Tight on MUZU.TV.

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