Rezensionen

Loch Lomond – Dresses

Loch Lomond - Dresses

Hört man den Namen Loch Lomond werden unweigerlich Assoziationen wach. Man denkt an einen See, respektive ein Loch, inmitten der schottischen Highlands oder wahlweise auch an einen erlesenen Whisky. An Portland, Oregon denkt man erst einmal nicht. Doch genau daher kommt das Sextett von Loch Lomond. Das veröffentlicht nun mit „Dresses“ nach einem selbstveröffentlichten Album und zwei Alben auf verschiedenen Labels aus ihrer Heimat jetzt ein Album auf dem schottischen Kultlabel Chemikal Underground.

Damit schließt sich auch der Kreis zu Schottland – okay, der schloss sich natürlich schon mit den Bandsingles auf dem DIY-Label Song, by Toad Records. Den Namen hat die Band einem Fetzen Papier entliehen, den sie in einem Päckchen fanden, das sie aus Großbritannien erhielten. Sie wussten nicht, dass es sich nicht nur um einen See in Schottland, sondern um den größten See in Großbritannien handelt und hatten anscheinend auch noch nie von der Whisky-Marke gehört und so wählten sie Loch Lomond als Bandnamen.

So ein Name weckt dann natürlich auch Erwartungen, die durch die Herkunft der Band aber natürlich direkt enttäuscht werden. Kein Schwermut wie bei I Build Collapsible Mountains, keine herzerwärmend euphorischen Rocksongs der Marke Frightened Rabbit und keine Folkhymnen ala Meursault. Loch Lomond verorten sich eher irgendwo zwischen Folk-, Chamber- und Indie-Pop. Die Songs von Loch Lomond sind im besten Sinne amerikanisch. Als Beleg dafür darf zum Beispiel das wunderbare „Virgin Mountains“ herhalten. In einem abgebrochenen Falsett singt dort Frontmann Ritchie Young unterstützt von leicht bombastischer Folk-Instrumentierung aus Banjo, Geige, Gitarre, Piano und einer jaulenden Säge. Irgendwo zwischen Patrick Watson und The Decemberists.

Doch auch, wenn die Zutaten recht amerikanisch sind und die Band ihren Akzent auch eher schlecht, genau genommen gar nicht, versteckt, trägt die Band nie zu dick auf. Wo Loch Lomond zu einer ausladenden Folkhymne ansetzen könnte wählen sie lieber den Schritt zurück und bestechen durch fein gesponnene Melodien mit wohl dosiertem Pathos. Eine Prise Melancholie trifft auf hohe Erzählkunst und clevere Songstrukturen. Loch Lomond zeigen in den zwölf Songs auf „Dresses“, das sich mit ganz einfachen Mitteln des Chamber- und Folk-Pop Songs spinnen lassen, die zwar nicht vor Kreativität überbordern und das Rad nicht neu erfinden, aber so gut unterhalten, das man gar nicht merkt, wie die Zeit vergeht, während man das Album bereits im dritten Durchlauf hört.


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