Rezensionen

LNZNDRF – LNZNDRF (s/t)

LNZNDRF

Beinahe drei Jahres sind schon vergangen, seit The National ihr letztes und bisher erfolgreichstes Album „Trouble Will Find Me“ veröffentlichten und sich damit über eine Grammy-Nominierung, eine goldene Schallplatte in Großbritannien und eine silberne Schallplatte in Kanada, freuen durften. Das schon fast drei Jahre vergangen sind, bedeutet bei einer Band, wie dem Quintett aus New York natürlich nicht, dass die Musiker untätig waren. Frontmann Matt Berninger tat sich, zwischen den umfangreichen Tourneen der Band, mit Brent Knopf (ehemals Menomena und jetzt Kopf hinter Ramona Falls) zusammen. Unter dem Namen EL VY veröffentlichten sie das kurzweilige „Return To The Moon“, ein Album, das melancholische Indie-Sounds mit verspielter Note und experimentellen Klängen bietet und das wir an dieser Stelle gern noch einmal empfehlen. Auch das Bruderpaar Scott Devendorf und Bryan Devendorf fand sich im Studio wieder, nicht, um wie Bandkollege Aaron Dessner als Produzenten tätig zu sein, sondern um zusammen mit Benjamin Hofer Lanz ein Album einzuspielen. Ein Musiker, der die Band lange als Tourmitglied begleitete und live die Bläsersektion von The National unterstützte. Eine Rolle, die er auch live bei Sufjan Stevens und Beirut einnahm, zwei Acts, die bekanntlich ebenfalls eng mit The National verbandelt sind.

Gemeinsam mit Benjamin Hofer Lanz, der sich solo einfach Hoferlanz nennt, nahm das Trio ein Album auf, das ebenso, wie sein gemeinsames Projekt, auf den Namen „LNZNDRF“ hört. Die Zusammensetzung von LNZNDRF wirkt dann im Vergleich zu EL VY erst einmal wenig schillernd. Ein Bassist, ein Drummer und ein Blasmusiker, das klingt erst einmal wie der Beginn eines schlechten Musikerwitzes. Das bedeutet aber natürlich nicht, dass die Musiker auch bei ihrem gemeinsamen Projekt diese Rollen einnehmen – würde ja auch seltsam klingen. So sucht man Bläser vergebens und der Bass drängt sich auch nicht sonderlich in den Vordergrund. Dafür gestaltet sich das Album erwartet rhythmisch und überdies deutlich experimenteller und vertrackter als der Output der Brüder Devendorf bei The National. Das erklärt auch die Spielzeit des Albums, das es trotz nur acht Songs auf 41 Minuten bringt.

So manches Stück ufert dadurch auf mehr als sechs Minuten Spielzeit aus. Ausufern ist auch ein gutes Wort, um den Sound von „LNZNDRF“ zusammenzufassen. In den Songs des Trios ist alles im Fluss. Klangflächen fließen ineinander, elektronische Spielereien lassen sie teils tosend anschwellen und der spärlich eingesetzt Gesang erzeugt einen eingängigen Sog. Songtitel, wie „Hypno-Skate“ beschreiben dann auch schon grob die Wirkung des Albums, das sich trotz seiner anfänglichen Sperrigkeit als spannendes Werk mit dichter Atmospähre offenbart und als Soundtrack für verregnete Busfahrten ideal taugt.

LNZNDRF live

23. Februar 2016, Berlin – Grüner Salon
25. Februar 2016, Berlin – Kantine am Berghain
26. Februar 2016, Berlin – Cassiopeia


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