Rezensionen

Lightspeed Champion – Life Is Sweet! Nice To Meet You.

Dev Hynes gelang bisher eine Bilderbuchkarriere. Mit den Test Icicles wirbelte er mit krachigem Trash-Pop ordentlich die britische Musikszene auf und veröffentlichte danach 2008 mit gerade einmal 23 Jahren sein Solo-Debüt, auf dem er amerikanischen Folk allererster Güte präsentierte. Wer Paolo Nutini da noch als vielversprechendsten europäischen Songwriter bezeichnet, dem ist auch nicht mehr zu helfen, diesen Titel teilen sich nämlich ganz klar Eugene McGuinness und eben Dev Hynes. Stimmlich in der Nähe von Conor Oberst, allerdings mit der Intonation eines Kele Okereke fabrizierte er auf „Falling Of The Lavender Bridge“ zeitlose Folk-Pop-Nummern mit einem ganz eigenen Charme, die zeigten, an diesem jungen Mann ist ein hoffnungsloser Romantiker verloren gegangen. Ein Debüt, das so anders als die Test Icicles und dann auch noch so großartig war machte natürlich auch ein wenig misstrauisch, was den Nachfolger betraf. Ein wenig wünscht man sich der innere Sadist ja auch, dass ein Künstler, dem alles gelingt vielleicht auch einmal auf die Fresse fliegt.

Der Fan jedoch fiebert einem Album entgegen, das dem Debüt mindestens ebenbürtig ist. Und wie kann es auch anders sein, Dev Hynes landet natürlich nicht mit dem Gesicht voran in der Erde, sondern kann erhobenen Hauptes vom Album-Cover gucken. Allein für den Album-Titel „Life Is Sweet! Nice To Meet You“ gebührt dem Lichtgeschwindigkeits-Meister schon großes Lob. Es deutet sich an, Dev Hynes ist noch eine Prise positiver und wärmer im Ausdruck, als beim Debüt. So strahlt auch schon der Opener „Dead Head Blues“ diesen wärmenden, immer mitschwingenden Optimismus aus. Selbst wenn Hynes in der ersten Hälfte des Liedes beinahe jammernd seine Lyrics vorträgt, spürt man ihn. Gegen Ende bricht er dann mit schön kitschigem Keyboard so richtig aus und man spürt, wie „sweet“ doch das Leben ist. „Marlene“, die erste Single ist zurecht als solche ausgewählt, mit tollem Refrain und rockigem 60ies Grundsound ist der Song ein hübscher Erstkontakt mit dem Album. „There’s Nothing Underwater“ stellt die erste deutliche Rückbesinnung auf das Debüt dar. Eine etwas zurückgefahrenere Instrumentierung mit Streichern und einem Klavier, dazu die lamentierende Stimme von Dev Hynes, der sich beklagt „I Miss You“. Auf „Life Is Sweet! Nice To Meet You“ spielt Hynes auch wieder seine ganzen Stärken aus und wechselt gekonnt zwischen leichtem Pop, kitschigen Streicherarrangements, rockigeren Elementen, Americana und auch gern mal Jazz. Die verknüpft er zu einem strahlenden Gesamtwerk, auf dem  Herzschmerz, Selbstzweifel, Ängste, eine hoffnungslos romantische Geste und riesiger Optimismus eine erhebende Einheit bilden. So kann es am Ende auch nur ein Fazit geben: das Leben ist schön!

Rating: ★★★★½
Lightspeed Champion
Das Album gibt es übrigens bei Myspace im Stream

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