Rezensionen

Lenz – Augen auf und durch

Nett steht oftmals als Synonym für so manchen Kraftausdruck. So hart will man nicht ins Gericht gehen mit „Augen auf und durch“, dem ersten Album von Lenz. Schwer machen sie es einem jedoch in dieser hügeligen Gesellschaft mit ihrem glattpolierten Sound. Zehn Songs der Marke Fahrstuhlpop, die einem leider nicht aus den Sitzen reisen werden, dafür punktet das Albumcover. Immerhin da hat sich das Trio was einfallen lassen. In bester Wackeloptik alter Fußballsammelbilder sieht man je nach Blickwinkel ein anderes Bandmitglied. Für diesen Ideenreichtum darf man höflich applaudieren. Dies ist aber nicht das einzige Bewertungskriterium. 10 Songs mit einer Gesamtspielzeit von fast 40 Minuten haben es auf den Rohling geschafft und schwingen nun so friedlich ins Ohr.

Zu friedlich mag man meinen, alles klingt sehr nach Tocotronic goes Pop. Es fehlen Ecken, es fehlen Kanten. „Augen auf und durch“ ist hierbei wohl als Durchhalte-Parole zu sehen, denn die leichten Songs bilden in Einheit ein schwer verdauliches Gesamtpaket. Schon der erste Song „Gib mir Bescheid“ plätschert irgendwie vor sich hin, ohne wirkliche Emotionen. Auch die Lyrics lassen zu wünschen übrig. Laut Bandbiografie sollen die Texte aus dem Leben gegriffen und auf den Punkt gebracht sein. Dafür trifft der Hörer oftmals auf verständnislose Zeilen, die nicht einmal einen Raum zum interpretieren lassen. „(Leih mir dein) fehlerfreies Leben“ wuchert nur so davon. „Leinen los“ wuchert dann auch noch einmal 6 Minuten lang im Gehörgang und klingt nach einen Versuch Coldplay Deutsch klingen zu lassen. Leider aber ein ziemlicher Reinfall. Nach dem letzten Song „Weite Reise“ ist es dann vorbei, passend ist hierbei der Titel, denn ein ganzer Durchlauf wirkt sehr anstrengend, wie ein langer Trip, der an den Nerven und Kräften zehrt. Eine lange Reise, ähnlich der der Band. Im Jahr 2003 trafen sich die drei Freunde nach langer Zeit wieder und beschlossen nach vielen anderen Musikprojekten endlich mal gemeinsame Sache zu machen. Beim Emergenza Festival als Geheimtipp gehandelt, in einigen Radiostationen auf Rotation laufend winkte der erste Plattenvertrag. Produziert wurde das Album von Oja Tunes, einem Team, das bereits Xavier Naidoo produziert hat. Hm, vielleicht ist das die einfache Erklärung für den Sound. Denn auch bei mehrfachen Durchläufen plätschert es weiter, man vermisst so kleine Momente, in denen die Augen funkeln. Eine weitere Eigenschaft die schwer daher kommt, ist die Tatsache, dass sich so gut wie gar nichts reimt. Wieder auf Wieder zu reimen sehe ich hierbei als fatalen Fehler an, so geschehen bei „Steh mit mir auf“. Man ertappt sich schnell mit der Hand auf der Skip-Teste, da die ersten Sekunden schon den gesamten Songinhalt wiedergeben. Und nach fast 40 Minuten Geplätscher lässt sich immer noch das positive Fazit ziehen, dass das Album Cover in dieser Form wohl einmalig ist. Der Inhalt leider nicht, zu monoton und gradlinig, zu wenig Abwechslung. Schade drum.

Hier das ganze Album streamen und vielleicht gewinnen

Video zu „Gib mir Bescheid“

httpv://www.youtube.com/watch?v=spx7h-fJMkk

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