Rezensionen

Kent – Röd

Im nächsten Jahr mischen Kent schon 20 Jahre im Musikgeschäft mit, knappe 20 Jahre davon, in denen sie außerhalb von Skandinavien fast nie über den Status eines Geheimtipps hinaus gekommen sind. Da halfen auch 1998 und 2000 die englischen Versionen ihrer Alben „Isola“ und „Hagnesta Hill“. Also auch keine Überraschung, dass Kent auch im Jahr 2009 immer noch schwedisch als Sprache ihres Gesangsausdrucks wählen. Der Album-Titel ist mit „Röd“ jetzt nicht sonderlich kompliziert, den Rest der Geschichte zu verstehen erfordert dann schon mehr Geschick. Da unsere Schwedisch-Kenntnisse sich auch auf die Namen von Ikea-Möbeln beschränken, haben wir uns gar nicht erst um das Verständnis der Texte bemüht, können uns daher voll auf die musikalische Komponente und den Gesang als Instrument stürzen.

Aufgenommen wurde das Album, wie auch sein Vorgänger „Tillbaka till samtiden“ in den Berliner Hansa-Studios, in denen bereits U2 ihre Inspiration für „Achtung Baby“ und David Bowie für seine Berlin-Trilogie bestehend aus „Low“, „Heroes“ und „Lodger“ umsetzten. Alles Alben, die auch berühmt sind für ihre elektronische Note, die beide Künstler inspiriert von der deutschen New Wave und Elektro-Bewegung. Als Produzent luden sich Kent wieder Jon „Joshua“ Schumann. „Röd“ darf also gerne als Fortführung der bereits 2007 begonnenen Reise in Richtung Elektro- und Synthie-Pop verstanden werden. Das Ergebnis ist dann natürlich auch gelungen. Der Einstieg mit einer Orgel und einem Kirchenchor in „18:29-4“ gibt sich zwar erst einmal leicht verschroben, fließt aber direkt über in „Taxmannen“ und zieht den Hörer von der Kirchenbank direkt in die nächtlichen Straßen von Stockholm. Ein quietschender Synthieteppich und atmosphärischer Gesang nehmen den Hörer direkt gefangen. Die Gitarre könnte dann stellenweise so auch von The Edge sein, das soll ja aber auch nichts schlechtes sein. Der Rhythmus jedenfalls stimmt und die kalte Elektro-Anmutung wird sehr schön durch den Gesang konterkariert. Das ist auch die Rezeptur für die restlichen 10 Songs des Albums, ein atmosphärischer Synthieteppich, ruhiger Gesangsaufbau in den Strophen und leidenschaftliches Reinhängen im Refrain. Das ist recht simpel und die Melodien sind auch teilweise recht schnell wieder verflogen. Schade zudem, dass durch den schwedischen Gesang auch nicht viel hängen bleiben kann, dennoch können Kent durchaus mit diesem kurzweiligen und hübschen Elektro-Pop Album überzeugen.

Rating: ★★★½☆
Kent

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