Rezensionen

Keaton Henson – Kindly Now

Keaton Henson - Kindly Now

Auch wenn offiziell drei Jahre vergangen sind, seid der Brite Keaton Henson mit „Birthdays“ den Nachfolger zu seinem berührenden Debüt „Dear“ veröffentlichte, war er in dieser Zeit bekanntlich nicht wirklich untätig. So veröffentlichte er 2014 zusammen mit Ren Ford ein von klassischer Musik inspiriertes Instrumental-Album mit dem Titel „Romantic Works“ und im darauffolgenden Jahr ein Elektronik-Album unter dem Projektnamen „Behaving“. Der 28 Jahre alte Musiker war eigentlich nie weg und so fühlen sich die drei Jahre auch nicht wirklich lange her an.

„Kindly Now“ heißt sein inzwischen drittes Solo-Album. Ein Titel, der weniger darauf hindeuten dürfte, dass er nun sanftere Töne anschlägt, für die war er ja sowieso schon immer bekannt. Es könnte sich um eine Aufforderung an die Allgemeinheit handeln, insgesamt etwas mehr Rücksicht untereinander gelten zu lassen. Eine Rücksicht, die sich der schüchterne und unter extremem Lampenfieber leidende Brite, sicherlich auch immer von seinem Umfeld wünscht. Das formuliert Keaton Henson auf „Kindly Now“ dann auch mit gewohnt direkten Worten und, trotz aller Dringlichkeit, häufig mit Liebes-Metaphern.

Der Start des Albums ist dabei deutlich von seinen elektronischen Ausflügen geprägt. Der Opener ist ein pluckerndes Stück, das sich mit Loops immer weiter verdichtet und so eine stimmungsvolle Ouvertüre darstellt. Diese wird gefolgt von den beiden vermutlich herzerweichendsten Songs des Albums. „Alright“ stellt dabei einen offenen Brief an seine Vergangenheit da, in dem er, spärlich instrumentiert,  mit viel Herzschmerz einer vergangenen Liebe mit viel hinterher trauert. So hört man jedes leise Seufzen und Brüche in seiner Stimme, die gefühlvoll Zeilen, wie „You and I are monsters, we’ll not find another / cannot be together, lest we eat each other“ singt. In „The Pugilist“ schildert er sein Lampenfieber, das ihn bei jeder Show zu einem inneren Konflikt zwingt, quasi dem Namensgebenden Faustkampf zwischen lähmender Angst und der Freude am Musizieren.

In der Folge streut Keaton Henson dann auch die ein oder anderen Streicher und auch drückendere Bandarrangements ein, um die Dramatik seiner Stücke wahlweise durch etwas mehr Pathos und bombastische Elemente weiter zu stützen. „Comfortable Love“ ist so ein Stück, desse treibende Melodie in schönem Kontrast zu Henson’s ruhiger, zittriger Stimme steht. Ergänzt um leichte, elektronische Einspielungen, macht dies „Kindly Now“ zum wohl bisher vielschichtigsten und abwechslungsreichsten Album des Briten, der am Ende „The Pugilist“ zu anschwellender Melodie in einem kleinen Ausbruch immer wieder „Don’t Forget Me“ wiederholt. Keine Sorge, das wird ganz sicher nicht passieren.

Keaton Henson live

26. Oktober 2016 – Berlin, Passionskirche


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