Rezensionen

Keaton Henson – Birthdays

Keaton Henson - Birthdays

Der junge Lodnoner Songwriter Keaton Henson ist schon ein Phänomen. Auf eigene Faust nahm der junge Musiker sein Debüt-Album „Dear“ in seiner Wohnung in einem Londoner Vorort auf und veröffentlichte das Album über Bandcamp. Ganz ohne Facebook-Profil oder ähnliche Kommunikation mit Fans über Social Networks verbreitete sich das Album im Indie-Sektor per Mundpropaganda rasend schnell und verhalf Keaton zu einem Plattenvertrag, der zunächst den Release seines Albums Anfang letzten Jahres vorsah. In der Zwischenzeit erlangte er eine riesige Fanbase, die ihm ein Facebook- und ein Twitter-Profil widmete, das eine solche Followerschaft erlangte, dass sein Management die Profile irgendwann dankend übernahm. Henson selbst zeigt sich zwar in Interviews fasziniert von dieser sozialen Komponente, scheut sie aber ebenso wie die Öffentlichkeit. Kein Wunder also, dass der introvertierte Musiker, der laut eigener Aussage in seiner Jugend unter Panikattacken litt, sich auch erst Ende 2012 dazu durchringen konnte, zwei Headlining-Shows in London zuzusagen. Die waren innerhalb von sieben Minuten ausverkauft und dürften beweisen, welchen Status Keaton Henson mittlerweile erlangt hat.

Zweifellos hat die Musik des Anfang zwanzigjährigen diese Beachtung auch verdient. Der scheue Musiker, der laut Aussagen in Interviews am glücklichsten ist, wenn er einsam und allein ist, legt all seine Gefühle in spärlich instrumentierte Stücke, die von seiner gefühlvollen, wunderbar brüchigen Stimme getragen werden und häufig nur von Gitarre oder Piano angereichert werden. Mit diesen Mitteln erzählt er zärtliche, berührende Stücke, die in ihrem Vortrag an Damien Rice, Josh T. Pearson, James Vincent McMorrow und auch den frühen Conor Oberst erinnern. In diese Stücke legt er soviel Gefühl, dass er laut Augenzeugenberichten beim Release-Gig zu „Birthdays“ im Londoner Rough Trade Store mitten in einem von zwei 30 Minuten langen Sets, anfing zu weinen. Das macht auch den Charme seines zweiten Albums „Birthdays“ aus. Keaton Henson singt von intimen Themen, wie Liebe und vor allem Verlust und Herzschmerz und legt seine ganze Seele in die Songs.

Dass er auch nicht nur langsam und tränenziehend kann, sondern auch ein Gespür für Indie-Rock-Songs hat. Das zeigt er mit Songs, wie „Don’t Swim“ und „Kronos“. Ersteres bietet einen wunderbaren Rockbombast-Moment am Ende, nachdem das Lied bis zu einem Bruch eher eine ruhige, gefühlvolle Atmosphäre erzeugt. „Kronos“ drückt von Anfang an mit dichten Gitarren und lauter Bandinstrumentierung los und zeigt Keaton von seiner bisher rockigsten Seite. Eine Seite, die auch durchaus zu Keaton Henson passt, aber vermutlich als rockige Soundinseln auf einem eher ruhigen, intimem Album besser funktionieren als ein ganzes Rockalbum des Künstlers. Das wollen wir auch gar nicht, dafür sind Stücke, wie „Sweetheart, What Have You Done To Us“ viel zu berührend und schön, um sie gegen Indie-Rock einzutauschen. In der Summe hat Keaton Henson mit seinem zweiten Album wunderbar den Faden seines Debüts aufgenommen und wunderbar berührende und beinahe schmerzhaft schöne Songs geschrieben, die einem nicht nur eine Gänsehaut erzeugen, sondern auch eine Träne ins Auge zaubern dürften.

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Discussion

  1. […] 11 Young Rebel Set – Crocodile 12 Traams – Grin 13 Motorama – Calendar 14 Arcade Fire – Reflektor 15 The National – Trouble Will Find Me 16 Neils Children – Dimly Lit 17 The Thermals – Desperate Ground 18 Atoms For Peace – Amok 19 Ef – Ceremonies 20 Keaton Henson – Birthdays […]

    Posted by WhiteTapes Record Of The Year 2013 – das Ergebnis | WhiteTapes | Januar 1, 2014, 2:10 pm

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