Rezensionen

Julian Casablancas – Phrazes For The Young

Relativ unspektakulär beschäftigten sich die einzelnen The Strokes-Mitglieder mit verschiedensten Projekten. Drummer Fab Moretti veröffentlichte mit ein paar Freunden als Little Joy ein Album und drummte auch auf dem Album des Devendra Banhart Projekts Megapuss. Bassist Nikolai Fraiture tobte sich unter dem Namen Nickel Eye aus, am meisten von sich Reden machte noch Gitarrist Albert Hammond Jr. mit zwei Soloalben. Mit denen löste er allerdings keinen solchen Hype aus, wie Frontmann Julian Casablancas allein mit der Erwähnung von Soloplänen. Kein Wunder, schließlich ist er die Stimme und damit auch das erste Identifizierungsmerkmal für Fans von The Strokes, sondern auch Hauptsongwriter eben dieser. Als solcher hat er sich nie durch ein Rekordtempo ausgezeichnet, da wundert es auchnicht, dass die Aufnahmen zum Solo-Debüt „Phrazes For The Young“ zwölf Monate in Anspruch genommen haben.

Zusammen mit den Produzenten Jason Lader (Coldplay, Jay-Z u.a.) und Mike Mogis (Bright Eyes, Rilo Kiley u.a.) feilte er lange an allen Songs, bis sie genau seinen Vorstellungen entsprachen. Okay, in zwölf Monaten hätte man vielleicht mit mehr als 8 Songs rechnen dürfen, aber damit muss sich der geneigte The Strokes Fan dann wohl abfinden. Die sollten sich dann am Opener „Out Of The Blue“ auch erfreuen können. Das Stück kommt mit Casablancas‘ typischem leicht gelangweiltem Gesang und einer leicht elektronisch polierten Variante des markanten The Strokes Sounds daher. Die elektronischen Parts werden in der Folge dann auch immer mehr. In „Left & Right In The Dark“ zunächst noch mit einem launigem Keyboard, dann aber beim nächsten Song bereits mit albernen Synthies, wodurch die Stücke wirken, als hätte man The Strokes durch den 80ies Disco-Wolf gedreht. Das erstaunlichste an dieser Tatsache ist aber, dass diese Songs, Julian Casablancas verdammt gut zu Gesicht stehen und so weicht die anfängliche Sekpsis dann doch irgendwann einer gewissen Begeisterung. Verantwortlich dafür vor allem wohl das starke Songwriting von Julian Casablancas, dem anscheinend nicht einmal alberne Elektrospielereien etwas anhaben können. Songs, wie „River Of Brakelights“, in denen die Synthies etwas zurück gefahren werden und Casablancas sich stimmlich richtig reinhängt sind dann zwar noch mitreißender, als die elektrolastigeren Nummern, dennoch lässt sich am Ende der 40 Minuten von „Phrazes For The Young“ attestieren, dass man sich so schnell keine Sorgen um das songwriterische Talent von Julian Casablancas machen muss. Und da er sich nun ausgetobt hat, kann er sich auch vielleicht endlich mit dem Rest seiner Band um ein neues Album für The Strokes kümmern.

Rating: ★★★★☆
The Strokes

Myspace // Homepage // Label

Phrazes for the Young – bei Amazon.de kaufen

Discussion

Comments are closed.

Archive