Rezensionen

Julia Marcell – June

Julia Marcell - June

Zwei Jahre sind mittlerweile vergangen seit die mittlerweile in Berlin beheimatete Polin Julia Marcell ihr Debüt „It Might Like You“ veröffentlichte. Das finanzierte sie damals über SellaBand und von Moses Schneider (Beatsteaks, Tocotronic) produzieren. Darauf bot sie vielschichtig kunstvollen Piano-Pop, mit dem sie sich für die Nennung in einem Atemzug mit Künstlerinnen wie St. Vincent und Feist empfahl. In der Zwischenzeit hat Julia viel Zeit auf Tour verbracht und mit Haldern Pop Recordings mittlerweile auch ein Label gefunden. Genau, das Label der Macher des gleichnamigen Festivals, in dem sie in diesem Jahr auch im Spiegelzelt auftreten durfte.

Die Zeit auf Tour nutzte Julia um ihre Art zu komponieren zu überdenken. Der Rhythmus rückte in den Vordergrund, die Songs sollten keine Geschichte erzählen. Sie sollten atmen und durch den Raum schweben ohne direkt erkennbares Ziel. Das klingt jetzt erst einmal nach verschrobenen, unzugänglichen Kompositionen, die einfach nur vor sich hinblubbern. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Es ist vielmehr so, dass Julia ihren Piano-Sound zurückgeschraubt und sich elektronischeren Klängen hingegeben. Der Opener und Namensgeber „June“ kommt mit Synthie-Klängen, pluckernden Beats und einer eigenwilligen Gesangsstruktur daher. Alles ist jetzt viel lauter, elektronischer und Julia setzt ihre Stimme nun mehr als Instrument ein und bewegt sich in einem weiten Feld von großer dramatischer Geste bis zu fragilen Momenten. Statt St. Vincent und Feist denkt man so nun eher an Bat For Lashes, die ebenfalls mit vielen elektronischen Elementen und dem Einsatz verschiedenster, auch exotischer Instrumente ganz einzigartige Stimmungen erzeugt. Sich denen auf „June“ hinzugeben macht tatsächlich Laune. Leider gibt es auch Momente, in denen sich die Idee leider nicht so recht erschließen will und das Stück tatsächlich wie einleitend befürchtet ziellos durch die Boxen schwirrt. Meist gibt sich „June“ jedoch als unterhaltsames Pop-Album einer Künstlerin, die es durchaus verdient hat bald in einem Atemzug mit bereits erwähnten Künstlerinnen genannt zu werden.


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