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Josefin Öhrn + The Liberation – Horse Dance

Josefin Öhrn + The Liberation - Horse Dance

Hinter der Band Josefin Öhrn + The Liberation stecken Josefin Öhrn (Überraschung) und ihr Mitstreiter Fredrik Joelson, sowie befreundete Musiker. Erstmals machte die Formation im letzten Jahr mit der EP „Diamond Waves“ auf sich aufmerksam, durch die sie nicht nur eine Nominierung für den „schwedischen Grammy“, sondern auch einen Auftritt beim legendären Roskilde Festival ergattern konnten. Kein Wunder, denn die Band lieferte darauf atemlose Popmusik mit vielen psychedelischen Einflüssen, drängenden Rhythmen und einem Hang zu süßlichen Popmelodien, die durchaus ein gewisses Suchtpotential kreierten.

Mit „Horse Dance“ erschien nun das Debüt von Josefin Öhrn + The Liberation. Ein Album, mit dem die Band selbst dem Kritikerspruch „never trust the hype“ gerecht wird, denn die acht Songs mit insgesamt vierzig Minuten Spielzeit bieten wenig von dem, was die Musikwelt durch die EP von der Band um die junge Schwedin kannten. „Horse Dance“ ist ein in sich gekehrtes, kaleidoskopisches Werk geworden, das in tiefe Abgründe blickt und mit unterkühlten Pop-Melodien daherkommt.

Der Opener „Dunes“ zeigt sich da mit seinen stakkatohaften Rhythmen fast noch am zugänglichsten. Über sieben Minuten baut die Band hier ein treibendes Stück psychedelischen Pops auf, das sich anschickt, die Lücke zwischen Portishead und Esben and the Witch zu füllen. Das gelingt der Band ausgesprochen gut und so findet man sich mitten im Klanggewirr von „Horse Dance“ wieder, dass die Schweden hier im Galopp eröffnet haben. In der Folge geht es ähnlich treibend, aber mit weniger Gitarren zu. Josefin Öhrn + The Liberation setzen vornehmlich auf hypnotische Synthieklänge und dunkle Beats, die das Klangdickicht nur noch dichter machen und eine fast bedrohliche Stimmung erzeugen, aus der die Stimme von Josefin quasi wie ein Leuchtturm hervorsticht.

Die Stimmung verdichtet sich zusehends, bevor sich die Band in der Albummitte wieder öffnet und man mit dem hellen „Take Me Beyond“ auf die andere Seite des Klangkosmos der Schweden gezogen wird. Ein einladendes Pop-Intermezzo mit dem bekannten Hang zum Schönklang und luftig, erhebender Melodie. Allerdings auch wortwörtlich nur ein Intermezzo, denn der Titeltrack zeigt sich anschließend als fast sieben Minuten andauernder, experimenteller Song mit Krautrock-Elementen, der sich wie ein dunkler Fiebertraum immer weiter verdichtet und wie der vertonte Ritt aus dem Erlkönig klingt. Die beiden abschließenden Stücke „Green Blue Fields“ und „Talk“ zeigen Josefin Öhrn + The Liberation dann wieder ein wenig offener, aber immer noch in einem anspruchsvollen, vielschichtigen Klanggewebe aus elektronischen Experimenten, sanft entrücktem Gesang und treibenden Rhythmen. Dadurch wird „Horse Dance“ insgesamt zu einem Album, das einen Sound zelebriert, in dem man sich als Hörer schnell verlieren kann, was aber keinesfalls bedeutet, dass man es mit einer Band zu tun hat, die sich an irgend einer Stelle orientierungslos zeigt.


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