Rezensionen

Jonathan Wilson – Gentle Spirit

Auf die ursprünglich vom japanischen Konzern Sony entwickelte CD passten genau 74 Minuten Minuten Musik. Die exakte Länge von Ludwig van Beethovens Neunter Sinfonie in der Version von Wilhelm Furtwängler. Das bedeutet im Klartext eine Stunde und 14 Minuten. Eine Revolution im Vergleich zu einer 12“ Schallplatte deren beiden Seiten zusammengenommen es ohne Klangverlust höchstens auf 53 Minuten bringen. Musiker konnten sich im Zweifel nun fast doppelt so lang austoben und ihre Fans mussten dabei nicht einmal zwischendurch den Tonträger umdrehen, was den Hörgenuss, bzw. den Hörfluss doch manchmal deutlich stören kann.

Was das mit Jonathan Wilson aus Forest City in den USA zu tun hat? Er hat mit seinem Debüt „Gentle Spirit“ ein Album aufgenommen, das voll auf den Hörfluss setzt, denn hier sticht nichts heraus, sondern baut aufeinander auf, fließt organisch ineinander und atmet in fast 80 Minuten Zugegeben, mit 78 Minuten hat er dabei das ursprüngliche Fassungsvermögen der CD ausgereizt, aber heutzutage schaffen die ja auch problemlos 80 Minuten. In diesen 78 Minuten bietet „Gentle Spirit“ zurückgelehnten Folk in bester Tradition der 60er Jahre, nah an Graham Nash. Aufbauend auf einer Akustikgitarre und allerhand Einspielungen mit Hammondorgel, Melotron und Vibraphon. Ganz dem Albumtitel folgend klingt hier alles sanft und schmiegt sich an den Geist an.

Man könnte auch sagen, es lullt den Hörer über die Spielzeit komplett ein, so dass man Zeit und Raum vergisst und sich fragt, ob dieser eine Song denn nie aufhört. Unwissend, dass man mittlerweile vier weitere Songs gehört hat. Das ist nämlich die große Schwäche der Songs von Jonathan Wilson. Alles ist sanft, plätschert vor sich hin und findet häufig in teilweise bis zu zehn Minuten einfach kein Ende. Es mag die Momente geben, in denen „Gentle Spirit“ genau der richtige Soundtrack ist, zum wach bleiben sollte man sich jedoch ein anderes Album suchen.

Jonathan Wilson – Gentle Spirit by Bella Union

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