Rezensionen

Johnny Marr – The Messenger

Johnny Marr

„Strangeways, Here We Come“ sollte 1987 nicht nur das vierte Album der britischen Kultband The Smiths sein, sondern war auch gleichzeitig der Schlussakt in der Karriere der Band aus Manchester. Nach einigen Streitereien verließ Marr die Band im August 1987 und kurz darauf gab auch die Band ihre Trennung bekannt. Nur ein Jahr später veröffentlichte Morrissey auch schon sein erstes Soloalbum „Viva Hate“. Johnny Marr dachte zunächst nicht an Soloarbeiten und vertrieb sich die letzten 25 Jahre lieber mit allerlei anderen Projekten. Darunter The The, Electronic und Johnny Marr & The Healers sowie je ein Album zusammen mit Modest Mouse und eines mit The Cribs. Pünktlich zum 25ten Jubiläum der Trennung gab Marr nun im letzten Jahr bekannt, ein Soloalbum zu veröffentlichen. Fans haben darauf lange gewartet und jetzt ist „The Messenger“ da.

Eine passende Redewendung dafür wäre wohl, „was lange währt, wird endlich gut“. In der Musikszene gilt allerdings viel zu häufig das Gegenteil, oder schwärmt heute noch jemand vom Guns’n’Roses Comeback Album „Chinese Democracy“ oder Brian Wilson’s „Smile“? Eher nicht. Und das lag nicht nur an den riesigen Erwartungen der Fans.

„The Messenger“ von Johnny Marr knüpft nahtlos an diese kleine Liste an. Man hört diesem Album förmlich an, dass der Künstler in den letzten 30 Jahren durch die verschiedensten Phasen ging. Selbst, wenn Marr erst vor ein paar Jahren die Arbeit an seinem ersten Soloalbum aufnahm, so strotzt „The Messenger“ vor Referenzen an britische Musik der letzten zwei bis drei Dekaden. Da ist das typische Marr Gitarrenspiel gepaart mit Brit-Pop- und Brit-Rock-Elementen. Gerade beim Titeltrack ergibt das einen wunderbaren atmosphärischen Song, der zeigt, warum Marr eine der Größen der britischen Gitarrenmusik ist. Seine derzeit immer wieder veröffentlichten Interpretationen von The Smiths Klassikern und ein Großteil des Albums verschleiern diese Tatsache allerdings gekonnt. Zu oft liefert er den Beweis, warum Morrissey Sänger bei The Smiths war und nicht er.

Hinzu kommt, dass die meisten Stücke auf „The Messenger“ einfach zu wenig Eigenständigkeit besitzen. Da sprüht es einmal vor The Cribs Referenzen, dann hört man wieder Oasis und teils Blur. Klar sind alle Bands von The Smiths inspiriert, dennoch wirkt Marr’s Solodebüt nicht so, als sei er das Vorbild, sondern vielmehr so, als sei er nur einer von vielen britischen Künstlern, die versuchen, die Tradition britischer Gitarrenmusik auf einem Album zu bündeln. So ist „The Messenger“ zwar ein nettes Stück Gitarrenpop, das man durchaus auch mal nebenher hören kann, nur leider dürfte es auch allzu bald vergessen sein, da es kaum wirklich bemerkenswertes liefert.

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