Rezensionen

Johnny Foreigner – Grace And The Bigger Picture

Es ist eigentlich schon eine Schande, da veröffentlichen Johnny Foreigner nach ihrem letztjährigen Debüt-Album „Waited Up ‚Til It Was Light“ bereits ihr zweites Album, spielen bald ihre erste Headlining-Tour in Deutschland, aber einen Release in Deutschland erfahren sie immer noch nicht. Bereits mit ihrer Debüt-EP „Arcs Across The City“ erlangten sie Kultstatus, sogar in Deutschland, was da mit der Lizensierung nun schief läuft, ist noch ungeklärt, glücklicherweise gibt es ja noch iTunes, um auch in Deutschland an die Releases des Trios zu kommen. Da dann sogar mit vier Bonus-Tracks, so dass Johnny Foreigner es bei Album Nummer 2 auf ganze 19 Songs bringen. Fans des Trios bekommen dabei dann auch genau das, was sie erwarten, nämlich hektischen Noise-Pop mit ausgeprägtem Tempo und natürlich einem Hang zum Krach, aber das steckt ja schon im Word Noise. Die Johnny Foreigner Label-Kollegen von Dananananaykroyd nennen das auch Fight-Pop, die haben aber auch doppelt so viele Mitglieder und zwei Schlagzeuger, um noch mehr Krach zu machen.

Die Essenz der Musik ist jedoch die gleiche. Nämlich eine laute Gitarre, ein schnell voran knüppelndes Schlagzeug, hibbeliger Bass und hektischer, sich auch schon mal überschlagender Duett-Gesang von Alexei Berrow und Kelly Southern. Dazu dann noch Songtitel, wie „Kingston Called, They Want Their Lost Youth Back“ und fertig ist die gewollt punkige Herangehensweise an britischen Indie-Rock. Die meisten Songs auf „Grace And The Bigger Picture“ funktionieren dann auch nach dem gleichen Erfolgsrezept, wie noch auf dem Debüt. Die Songs fangen gut sortiert an und steigern sich im Laufe in krachigen Noise-Pop mit ordentlichem Tempo. Da hätte man von dem Trio bei allem Spaß, den die Songs bringen schon eine Prise Weiterentwicklung erwarten dürfen, denn beinahe alle Songs hätten so auch auf das Debüt gepasst. An einigen Stellen schimmert dann aber so etwas wie ein größerer Hang zur Melodie durch, wie etwa bei „More Heart, Less Tongue“, wenn das Trio dann sogar mal das Tempo etwas raus nimmt, um die kleine Gitarrenmelodie etwas mehr zur Entfaltung kommen zu lassen. Auch das knapp 90 sekündige, ruhiger „I’llchoosemysideandshutup, Alright“, bei dem Kelly den Gesangspart ganz allein, nur durch ein paar Gitarrenakkorde begleitet den Song bestreitet, gibt sich als tolles Stück, am Ende sogar mit einem Hang zum Bombast und hätte bestimmt auch als 3-Minüter perfekt funktioniert. Aus der Masse an teilweise etwas durchschnittlich geratenem Johnny Foreigner Material stechen dann aber auch noch ein paar Hits, wie „Criminals“ und „Feels Like Summer“ heraus. So bleiben Johnny Foreigner mit „Grace And The Bigger Picture“ etwas hinter den Erwartungen zurück, da auch einige Songs so schnell verblassen, wie sie gespielt werden, dennoch bewahren sie sich immer noch diese gewisse Frische, die ihren Sound ausmacht. Live funktioniert das Trio auch nach wie vor am Besten und so darf man sich auf die bevorstehende Deutschland-Tour freuen.

Rating: ★★★½☆
Johnny Foreigner
16. November, Köln, MTC
17. November, Berlin, Bang Bang (im Rahmen des Karrera Klub)
18. November, Hamburg, Astra Stube

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