Rezensionen

Johnny Flynn – Country Mile

Johnny Flynn - Country Mile

Wir sind ja immer etwas zwiegespalten, wenn Musiker in Interviews zu ihren Alben Zitate zugeschrieben werden, in denen sie sagen, sie würden sich in erster Linie als Künstler und Lyriker sehen und erst in zweiter Instanz als Musiker. Das zum Beispiel tat der Londoner Douglas Dare, als er über seine EP „Seven Hours“. Das Ergebnis unterstrich aber, dass hier wirklich ein Lyriker auf den Hörer wartet, der seine Gedichte in wunderschöne Songs gekleidet hat.

Auch der Brite Johnny Flynn sieht sich mehr als Künstler, Schauspieler und Poet und nicht als einfacher Musiker. An sich ja auch kein Problem, wäre da nicht der oben erwähnte Zwiespalt. Der kommt nämlich deshalb auf, weil es hier nun einmal um sein gottverdammtes Album geht. Ein Automechaniker steht ja auch nicht in der Werkstatt, stellt eine Diagnose zum Zustand des Autos und eröffnet einem dann, dass er sich eigentlich eher als Gärtner sieht. Es wirft kein gutes Licht auf die eigene Arbeit und man fragt sich als Interessent dann fast, warum man sich das Album denn nun eigentlich noch anhören soll, wenn der Musiker nichts besseres zu tun hat, als davon zu schwärmen kein Musiker zu sein.

Bei Johnny Flynn kann als Begründung wohl einfach grundsätzliches Wohlwollen herangezogen werden. 2011 spielte er auf dem Haldern Pop Festival ein tolles Set und weiß auch sonst mit durchaus sympathischen Songs zu überzeugen. Im Begleittext zum Album ist man, wie man sich nach der Einleitung denken kann, auch nicht zu schüchtern, um neben musikalischen Superlativen auch noch William Butler Yeats und William Shakespeare als Vorbilder für Flynn’s Texte heranzuziehen. Als Vorbild darf er sie ja haben, ihre lyrische Finesse erreicht Flynn natürlich nie. Dennoch erzählt der Londoner mit sehr angenehmer Stimme Geschichten zum Schunkeln und Mitfiebern. Musikalisch bedient er sich frei in Americana, Folk und Country und instrumentiert die Stücke größtenteils ohne viel Bombast. Gerade in „Murmuration“ trägt Flynn mit großer Leidenschaft vor und weiß durchaus zu fesseln. Wunderbar leidend und sich beinahe vor Sehnsucht verzehrend zeigt er sich dann in „Einstein’s Idea“, einer ruhigen Ballade mit fein gesetzten Akzenten. Die Highlights sind auf „Country Mile“ jedoch rar gesät, größtenteils tobt sich Johnny Flynn auf ausgetretenen Pfaden und präsentiert viel altbekannte New-Folk-Kost. Jedoch handwerklich so gut gemacht und mit durchaus toller Stimme vorgetragen, dass sie doch irgendwie Lust auf Flynn’s Tour im November machen.

Johnny Flynn auf Deutschland-Tour

19. November 2013, Köln, Blue Shell
20. November 2013, München, Atomic Café

Tickets gibt’s bei FKP Scorpio oder beim Tickethändler eures Vertrauens.


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Discussion

  1. […] ist es her, dass der Brite Johnny Flynn zusammen mit seiner Band The Sussex Wit mit neuem Album “Country Mile” in Deutschland unterwegs war. Wer diese Termine aus irgendwelchen Gründen verpasst haben sollte, […]

    Posted by Wir präsentieren: Johnny Flynn & The Sussex Wit – auf Tour im Frühjahr | WhiteTapes | Dezember 16, 2013, 1:28 pm

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