Rezensionen

Johann van der Smut – Berg

Johann van der Smut - Berg

Seit Wochen hängen in den Städten in der Nähe von Indie-Clubs und Bahnhöfen kleine Poster und Aufkleber mit der Aufschrift „Who is Johann van der Smut?“. Klare Antwort darauf: Der niederländische Bösewicht aus dem dritten Austin Powers Teil „Goldständer“, der Austin’s Voader – äh, Vater – entführt hat. Okay, diese Antwort ist zwar auch richtig, aber Johann van der Smut ist bekanntlich auch eine junge aus dem Sauerland, die uns bereits 2009 im Vorprogramm der mittlerweile leider getrennten The Cinematics überzeugen konnten. Damals prophezeiten wir der Band schon, dass sie ihren Weg gehen wird. Der führte über jede Menge Supportslots, zum Beispiel für Kakkmaddafakka. Der größte Schritt auf diesem Weg ist jetzt, knappe drei Jahre später, der Release ihres Debüts „Berg“.

Und ganz pragmatisch eröffnen Johann van der Smut ihr Album dann auch mit dem Song „Gold“, ob das wirklich mit oben genanntem Bösewicht zu tun hat, der sich ebenfalls gern in dieser Farbe kleidete, wissen wir leider nicht. Keine Sorge, mit einer deutschen Band aus dem Ruhrgebiet, die das Attribut „Gold“ sogar im Namen trägt, haben Johann van der Smut auch nichts zu tun.

Das Trio aus dem Sauerland hat sich zwar vom Sound her auch den 80ern verschrieben, ihre Vorbilder dürften Fans der besagten Band jedoch so bekannt sein, wie die Werke von William S. Burroughs. Warum wir gerade ihn heranziehen? Nun ja, er hat als Schriftsteller einen der wichtigsten Sänger des Post Punk beeinflusst, nämlich den guten Ian Curtis. Und damit wären wir dann bei der musikalischen Referenz. Zwar waren diese drei Jungs zu den Zeiten von Joy Division, XTC und Gang Of Four noch lange nicht geboren, dennoch bildet beinahe jeder Song eine Verneigung vor dieser großartigen Epoche britischer Musikgeschichte. Eine Band mit deutschen Texten, die sich vor Punk und Post Punk verneigt, gab es das nicht schon? Klar, die Band hörte auf den Namen D.A.F.. Wo die Deutsch Amerikanische Freundschaft jedoch mit tiefer Stimme und dumpfen Bässen Klassiker, wie den „Mussolini“ erzeugte bieten Johann van der Smut ihre ganz eigene, zeitgemäße Variante des Sounds.

Der beinhaltet schneidende Indie-Gitarren, die auch gern mal durch die Songs flirren. Dazu kommt der alles nicht wirklich tiefe Gesang von Max König. Im Gegensatz zu vielen deutschen Indie-Sängern gelingt ihm das Kunststück trotz deutscher Texte diesen seltsam nöligen Gesangsstil, den viele deutsche Indie-Bands haben, zu umgehen. Das macht er so gut, dass es auch nie störend auffällt, dass er Deutsch singt. Das Ergebnis sind kurzweilige Indie-Rock-Nummern, die sich in der Indie-Disko und auch im Radio gut machen würden. Ein wenig erinnern die Jungs stellenweise an The Rakes, denen es ab 2005 auch schon gelang, den Post-Punk auf drei Alben ins neue Jahrtausend zu transportieren. Ähnlich wie die Briten offenbaren die Jungs, immer wieder ihr Talent für eingängige Melodien gepaart mit einer Prise Punk und einer angemessenen Dosis Tiefgang. Das macht Johann van der Smut zu einer Band, die es in Deutschland viel zu selten gibt. Eine Band nämlich, die es schafft einen typisch britischen Sound nach Deutschland zu übertragen und noch mit einer eigenen Note anzureichern. Dass sie sich dabei mit Interview-Zitaten, wie „Wir kommen auf die Bühne, spielen 45 Minuten mit Vollgas unser Set und gehen erschöpft wieder runter“ voll in den Dienst ihres Publikums stellen macht sie nur noch sympathischer. Auch wenn „Berg“ nur 35 Minuten Musik bietet. Die sind dafür umso intensiver und dürfen auch gern mal auf Repeat gehört werden.


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