Rezensionen

Joanna Gruesome – Peanut Butter

Joanna Gruesome – Peanut Butter

Zehn Songs in 21 Minuten, das entspricht einer Songlänge von gerade einmal zwei Minuten und sechs Sekunden. Werte, die man so vor allem aus der Punkszene gewohnt ist, wo Joanna Gruesome nicht wirklich zuzuordnen sind. Auf einer völlig falschen Fährte ist man damit allerdings auch nicht. Denn das, was man vom jungen Quintett aus Bristol seit seinem Debüt „Weird Sister“ zu hören bekam, war eine ungestüme Mischung aus Garage-Rock, Dream-Pop, Grunge und eben Punk, die zurecht aufhorchen ließ.

Und da sich die Band eben selbst in einer Punk-Tradition sieht, kommt sie auf ihrem zweiten Album „Peanut Butter“ schnell auf den Punkt und verzichtet auf viele Schnörkel.

Dabei ist der Sound von Joanna Gruesome alles andere als sperrig. Vielmehr setzt die Band auf eine leicht süßliche Popnote in ihren Stücken. Aber das ist ja auch Teil des Punk, schließlich haben sich auch die Sex Pistols und The Buzzcocks bei Elementen der Popmusik bedient, um ihrer Form des Protests Ausdruck zu verleihen.

Protest sucht man auf „Peanut Butter“ jedoch vergebens. Joanna Gruesome sind eben doch keine Punk-Band, sondern irgendwo im Noise-Pop und C86 zu verorten. Dort loten sie die Grenzen mit kurzweiligen, fröhlichen Songs aus und bedienen sich bei The Vaselines, The Pastels, Sonic Youth und My Bloody Valentine. Angereichert mit Elementen aus New Wave, Twee und Post-Punk stellen sie sich so in eine Reihe mit aktuellen Newcomern, wie Menace Beach. Letzteren haben sie jedoch eine deutlichere Tiefe in den Songs voraus und das obwohl es das längste Stück gerade einmal auf 3:10 Minuten bringt.

Das ist aber nun einmal die wahre Kunst von Joanna Gruesome. Der Band gelingt es, wie beim Opener „Last Year“, mit viel Tempo, clever platzierten Hooks und einer mitreißenden Melodie, gleich für gute Laune zu sorgen und den Hörer zu fesseln. Das im Mittelteil platzierte „I Don’t Wanna Relax“ könnte dann direkt als Credo für den Sound von Joanna Gruesome gelten. Denn Zeit zum durchatmen bleibt auf „Peanut Butter“ nicht. Die Band prischt mit hohem Tempo durch ihre frechen Pop-Nummern, prügelt auf die Drums ein und fährt Schrammelgitarren auf. Zusammen mit dem meist zweistimmigen Gesang ergibt das Mitsing-Hymnen, die richtig Freude machen und mit denen Joanna Gruesome einer der Geheimtipps für die Festivalsaison sein dürften.


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