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J. Tillman – Vacilando Territory Blues

tillmanthumbDer größte Fehler, den man machen kann, wenn man Joshua Tillman’s neues Soloalbum zu hören, ist, zu erwarten, den Sound der Fleet Foxes zu hören. Tillman ist als Drummer der Fleet Foxes bestimmt auch nicht ganz unschuldig, was deren Sound auf ihrem Solo-Debüt betrifft, bereits seit 2004 ist er allerdings auch schon als Solokünstler unterwegs und veröffentlicht mit „Vacilando Territory Blues“ nun sein drittes Solowerk. Das erste, dass einen Release in Europa erfährt und zugleich auch das, mit dem er dank dem Fleet Foxes Erfolg auch eine größere Masse erreichen wird.  Ein Soloalbum das vor allem vom spröden Charme von Tillman’s altmodischem Songwriting geprägt ist. Größtenteils beschränk sich Tillman auf den Einsatz seiner Akustik-Gitarre und seiner beinahe erschütternd ergreifenden Stimme (ok, Background-Chöre nach Fleet Foxes Vorbild kommen dann auch mal vor).

Wie auch bei den Fleet Foxes bedient sich Tillman dabei einem sehr pastoralen Klanggewand, mit dem großen Unterschied, dass gegen ihn die Fleet Foxes beinahe wie eine laut stampfende Zirkuskapelle wirken, so reduziert kommt Tillman daher. Wie seine offensichtlichen Vorbilder Neil Young und Will Oldham ist er ein ewig Reisender, dabei erfindet er klanglich den Folk nicht neu, schafft es aber mit seinen nachdenklichen Stücken Facetten besonders gelungen und mitreißend zu beleuchten. Was er ebenfalls mit den erwähnten Vorbildern gemein hat, ist die pointierte Selbstreflektion, die findet sich bereits im Albumtitel, ein „Vacilando“ ist nämlich jemand, der auf Reisen ist, dem dabei die Reise selbst wichtiger ist, als das Erreichen des Ziels. Nicht nur, dass Tillman den Eindruck vermittelt, er sei eben dieser „Vacilando“, „Vacilando Territory Blues“ klingt zudem auch noch wie der Soundtrack zu seiner Reise. Neben ruhigen und nachdenklichen Folkperlen hat Tillman allerdings noch mehr zu bieten, etwa im Stück „Steel On Steel“, dass ein hoffnungsvoller Americana Band-Song ist, hier wird er unter anderem auch von Casey Wescot von den Fleet Foxes unterstützt. Für etwas Abwechslung sorgt dann auch noch der Blues-Rocker „New Imperial Grand Blues“, mit E-Gitarre und Steel-Pedal, ein Stück, dass auch deshalb so wichtig für dieses Album ist, weil man durch dieses die Schönheit von Folk-Perlen, wie „First Born“ noch viel besser greifen kann. Also, man sollte nicht enttäuscht sein, weil einen hier nicht der Sound der Fleet Foxes erwartet, sondern sich vielmehr freuen, so wunderschön sanft vorgetragene Songwriter-Perlen von Josh Tillman hören zu dürfen, der damit zeigt, dass er vielmehr als nur der bärtige Drummer der Fleet Foxes ist.

Gratis Download von Steel On Steel (rechts klick, speichern unter)

Video zu „Seven States Across“ (vom Album „Long May You Run, J. Tillman“)

httpv://www.youtube.com/watch?v=fIcQ2GBt9D4

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