Rezensionen

I Like Trains – He Who Saw The Deep

In den letzten sechs Jahren seit ihrer Gründung haben iLiKETRAiNS aus Leeds einiges erlebt. Als Quintett gestartet veröffentlicht die Band mit der komischen Schreibweise ihres Namens 2006 ihre erste EP „Progress Reform“. Die mit ihrem schweren Rock, düsteren Shoegaze-Sounds und bombastischer Songlänge schon eher ein Album ist. Markenzeichen ist die tiefe Stimme von David Martin mit der er Elegien über tragische Geschichten der Historie vorträgt. Mittelpunkt ist immer das Scheitern der Menschen und wie es ihnen einfach nicht gelingt aus ihren Fehlern zu lernen. So erzählen sie in ihrem vielleicht beeindruckendsten Stück „Terra Nova“ die Geschichte der missglückten Südpol-Expedition von Robert Falcon Scott. Auf ihrem Debüt „Elegies to Lessons Learnt“ setzen sie dieses Erfolgskonzept fort und erzählen von der Hexenjagd, der Ermordung von Spencer Perceval und vielem mehr.

Zurecht feiert die Band mit ihrem bedrückenden und düsterem Werk europaweit große Erfolge. Dennoch trennt sich ihr Label Beggar’s Banquet nach einer Reihe von Tourneen von ihnen. Kurz darauf steigt auch Horn-Spieler und Videoprojektions-Künstler Ashley Dean aus, die Band ändert ihre Schreibweise in I Like Trains, was vielen Fans und Musikschreibenden sicherlich sehr entgegenkommt und veröffentlicht Ende 2008 ihren vorerst letzten Streich, „The Christmas Tree Ship“, eine Instrumental-EP über die traurige Geschichte von Kapitän Herman Schuenemann und seiner Crew. Danach folgt eine Weile nichts und dann die Nachricht, dass sie versuchen den Release ihres fertig produzierten neuen Albums über Pledge zu finanzieren. Es dauerte relativ genau zwei Tage, dann hatte die Band schon ihr Ziel erreicht. So erschien „He Who Saw The Deep“ nun also mit Unterstützung der Fans, was heutzutage aber nun nicht mehr so ungewöhnlich ist. Ungewöhnlich aber das Etikett, dass I Like Trains anhaftet. „History-Rock“ heißt das und begründet sich in der Wahl der Themen für ihre Songs. Das scheinen sie aber mittlerweile ändern zu wollen und präsentieren mit „He Who Saw The Deep“ erstmals ein Album, in dem sich die Band nicht historischer Tragödien bedient. Die Themenwahl bleibt allerdings nicht die einzige Veränderung. Auch der elegische Post-Rock-Sound ist nun etwas aufgehellt. So durchziehen nun häufiger auch schnelle hohe Gitarrensounds die Songs und der Bariton von David Martin wird nicht immer von einer großen drückenden Wand aus Gitarren untermalt. I Like Trains müssen es sich dadurch nun zwar gefallen lassen, dass sie von Kritikern nun durchaus mal in die Nähe der Editors verortet werden. Aber dafür kann man ihnen attestieren, dass sie ihre Sache durchaus überzeugender gestalten, als die Band um Tom Smith. Das liegt auch an der gekonnten Dosierung des Bombast, der einigen Songs, wie etwa „Sea Of Regrets“ beigemischt ist. Und letztlich gibt es genügend Punkte, an denen sich doch wieder deutliche Referenzen an ihren gewohnten Sound heraus hören lassen. I Like Trains ist es mit „He Who Saw The Deep“ also gelungen ihrem Sound eine neue Note zu verleihen, mit der sie bald vielleicht auch ähnliche Erfolge feiern könnten, wie etwa Editors.

Rating: ★★★★½
I Like Trains

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