Rezensionen

I Blame Coco – The Constant

Das Leben kann schon kompliziert sein für junge Musiker. Lange opfern sie große Teile ihrer Freizeit, um Songs zu schreiben, finanzieren sich mit hartem Sparkurs Touren und Studiobesuche, um sich mit etwas Glück irgendwann einen Plattenvertrag zu erkämpfen und mit noch etwas mehr Glück den Durchbruch zu schaffen. So kann es gehen. Na ja, es sein denn, man ist Eliot Paulina Styler Sumner, besser bekannt vielleicht als Coco Sumner, oder „die Tochter von Sting“. Dann hat man zwar immer mit dem Label „Sting’s Tochter“ zu kämpfen, aber es auch deutlich einfacher die Türen ins Musikbusiness aufzustoßen und auch prominente Fürsprecher zu finden. So hatte die junge Britin bereits prominente Fürsprecher, wie Ian Brown von The Stone Roses und Alex Turner von den Arctic Monkeys, bevor sie überhaupt eine Single veröffentlicht hat. Dancefloor-Königin Robyn ließ sich auch ganz einfach für ein Duett gewinnen und Island Records bot Coco bereits 2007 einen Plattenvertrag.

Ganze vier Jahre später veröffentlicht Coco nun ihr Debüt mit ihrem Projekt I Blame Coco. Bereits letztes Jahr war sie mit diesen Songs auch schon auf dem Haldern Pop zu sehen und wusste durchaus zu überzeugen. Auch wenn das Label „Sting’s Tochter“ der zunächst ausschlaggebende Faktor für die Neugier war, gingen viele mit der Gewissheit aus dem Set, eine vollwertige junge Musikerin gesehen zu haben. Ihr Debüt ließ sie sich nun von Sugababes Produzent Klas Åhlund produzieren. Hitpotential also vorprogrammiert, aber auch die Gefahr zu schnell in Popkitsch abzudriften. Ihre Songs schrieb sie allesamt selbst und beweist dabei ein feines Näschen für tanzbaren Elektropop mit einer Prise Anspruch. Im Mittelpunkt stets Coco’s androgyn rauchige Stimme, die sogar gewisse Parallelen zu Sting aufweist. Musikalisch ist sie aber in einer anderen Welt unterwegs. Hier gibt es kühl treibende Synthieklangflächen mit Elektrosounds und einer großen Dosis Pop. Am besten ist das beim Opener „Selfmachine“ gelungen. Eine Popnummer, die über die Ohren direkt in die Beine geht. Der Refrain bleibt auch nach dem Hören noch lange in den Ohren hängen und könnte der jungen Engländerin auch noch den Weg in die Charts ebnen. Eine Erfolgsrezept, das sie in den folgenden Nummern so oder so ähnlichen zu duplizieren versucht, richtig zwingend geraten die Songs aber dann zu selten. Tolle Momente gibt es dennoch, etwa das ruhige „Summer Rain“, das düster daherkommt und zu fesseln vermag. Hervorzuheben ist dann auch noch „Caesar“, das Duett mit Robyn, das mit starken Drums und atemlosem Tempo daherkommt. „The Constant“ ist vielleicht nicht die nächste Offenbarung am Elektro-Pop-Himmel, aber ein über weite Strecken gutes Album einer Musikerin, die hier beweist, dass sie mehr ist als „Sting’s Tochter“, nämlich eine ernstzunehmende Songwriterin mit einem ganz eigenen Verständnis von Popmusik.

Rating: ★★★☆☆
I Blame Coco

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