Rezensionen

Holograms – Holograms (s/t)

Holograms

Mit ihrem Sound sind Holograms aus dem schwedischen Stockholm eigentlich zehn Jahre zu spät dran. Denn diese Mischung aus Punk, Post-Punk und Wave, die sie spielen, schwappte vor zehn Jahren unaufhaltsam über Europa und brachte diverse Bands hervor und bis sogar bis auf die Bühnen unsäglicher TV-Formate wie The Dome. Aber vielleicht ist es ganz gut, dass sich jetzt, wo dieser Sound nicht mehr unbedingt das Maß aller Dinge im Indie ist, eine Band aus Schweden daherkommt und diesen Sound auf eigene Art interpretiert. Das tun die Schweden nämlich mit einer wohltuenden Scheißegal-Mentalität, dass es eine wahre Freude für Freunde von Joy Division, Wire, Gang Of Four und XTC sein dürfte.

Dabei scheint es ihnen ein Anliegen mit Klischees über Schweden aufzuräumen. Nur weil es staatliche Musikförderung gibt und das Land gemeinhin als recht wohlhabend gilt haben es Bands im skandinavischen Königreich noch lange nicht leichter, als anderswo so ihre Botschaft. Und berufen sich dabei in vielen Interviews nur allzu gern auf eine Geschichte, bei der ihr Van in Frankreich liegen blieb und sie zwei Wochen ohne Geld und Fortbewegungsmittel in einem fremden Land fest saßen.

Die Botschaft, die das rüberbringen soll ist ganz klar: Wir sind Punk! Das tragen die jungen Schweden von Holograms auf ihrem selbstbetitelten Debüt vielleicht manchmal etwas stark zur Schau und versuchen sich mit waghalsigen Textkonstrukten an Gesellschaftskritik und singen über Isolation und Verzweiflung. Aber auf gut gemachte Texte kommt es beim Punk ja nicht an, die Botschaft zählt. Und für uns natürlich vor allem auch der Begleitsound und der weiß bei Holograms häufig durchaus zu begeistern. Die Schweden präsentieren einen scheppernden Lo-Fi-Sound mit verzerrten, hallenden Gitarren, einem krachenden Schlagzeug und leicht verhalltem Gesang. Der ist dann allerdings alles andere als Punk, sondern klingt vielmehr nach einer typischen Schwedenband. Was die Band ebenfalls von soundähnlichen Bands, wie zum Beispiel Iceage unterscheidet ist, dass sie sich auch einmal trauen aus dem Klangkosmos düsterer 80ies Punk- / New-Wave-Sounds auszubrechen und beinahe süßliche Melodiefragmente sowie einige Synthie-Sounds einzubauen. Aber vielleicht ist auch gerade das, was die Jungs auch wieder besonders Punk sein lässt, nämlich auf Soundkonventionen zu scheißen. Wie dem auch sei, Holograms ist mit ihrem selbstbetitelten Debüt ein düsteres Rockalbum mit einigen tollen Songs gelungen. Ob es lange im Bewusstsein bleiben wird, werden die nächsten Wochen zeigen.

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