Rezensionen

Helgi Hrafn Jónsson – Big Spring

Eine seiner Deutschland-Tourneen zu seinem zweiten Album „For The Rest Of My Childhood“ bestritt der Isländer Helgi Hrafn Jónsson unter anderem gemeinsam mit Tina Dico aus Dänemark. Dabei scheint auch so etwas wie eine skandinavische Freundschaft erwachsen zu sein, weshalb Helgi sein mittlerweile drittes Album „Big Spring“ nun auf Tina’s eigenem Label Finest Grammophone veröffentlichen darf.

Man könnte beinahe auch meinen, dass es sich dabei wohl möglich sogar mehr um eine Ehre für Tina, als für Helgi handelt. Schließlich darf sie nun zu den Künstlern ihres Labels einen 32jährigen mit allen Wassern gewaschenen Musiker zählen, der sich schon als 19-jähriger Solist an der Posaune beim isländischen Symphonieorchester, als Mitglied der Whale Watching Tour, beim Nationalen Dänischen Kammermusik Orchester und als Tourmusiker von Sigur Ros verdingt hat. So hat sie es sich nicht nehmen lassen, auch gleich an ein paar Songs mitzuschreiben und sie mit ihrer Stimme zu bereichern.

Aber von Anfang an. Der bietet nämlich mit „Melting Point of“ ein wunderschönes Streicher- und Piano-Arrangement, das direkt in das Stück „Salt“ übergeht, das Helgi dann noch mit seiner Gänsehauterzeugenden hohen, wehklagenden Stimme garniert. Diese Momente waren auch schon auf „For The Rest Of My Childhood“ die stärksten Momente. Jene, wenn sich der Musiker durch spärliche Arrangements windet und seine Seele ausschüttet. In der Folge macht er dann das wahr, was er schon auf der „Blindfolded“ EP Anfang des Jahres angekündigt hat. „Darkest Part of Town“ ist schwungvoller Indie-Pop mit druckvoller Instrumentierung und einer Struktur, die den Isländer direkt in die Radio-Rotation schleudern dürfte.

Diese Songs sind zwar auch nicht schlecht, doch beherrschen sie Bands, wie Kashmir und Co. deutlich besser. Der beschwingt drauf los stürmende Indie-Popper will ihm einfach nicht gut zu Gesicht, so darf man sich bei „Stuck in Traffic“ mit seinem an Maroon 5 erinnernden Beat dann auch verwundert die Augen reiben und am besten gleich weiter skippen. Die wunderschöne Piano-Ballade „Lonely Birds“ gegen Ende des Albums bietet dann mit einem mitreißend dichten Finale aber auch wieder einen dieser großen Momente, der für die vielen Pop-Missverständnisse auf „Big Spring“ zu entschädigen vermag.

Überhaupt, das Finale ist ganz großes Kino. In teils ausufernden Kompositionen, bei denen sich selbst Muse noch etwas abschauen könnten und vielen introvertierten Momenten legt Helgi noch einmal seine ganze Seele in die Songs und bietet gegen Ende ein wahres Feuerwerk der Gefühle.

Helgi Live:
18.10. Dresden – Societätstheater
19.10. Erlangen – E-Werk
20.10. München – 59to1
21.10. A-Lustenau – Carinisaal
22.10. A-Graz – PPC
23.10. A-Wien – WUK
25.10. CH-Zürich – Exil
26.10. Heidelberg – Enjoy Jazz Festival @ Karlstorbahnhof
27.10. Wiesbaden – Schlachthof
28.10. Köln – Studio 672
29.10. Münster – Gleis 22
31.10. Hamburg – Molotow
01.11. Berlin – Roter Salon


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