Rezensionen

Heidi Happy – Flowers, Birds and Home

Zugegeben, es bedarf eines gewissen Mutes, aus der Schweiz zu stammen und sich als Künstlernamen ausgerechnet Heidi zu wählen. Hört man diesen Namen auch noch garniert durch den Zusatz Happy entstehen die wildesten Assoziationsketten, alle angesiedelt in der Fantasiewelt von Johanna Spyri (schweizerische Autorin und Heidi-Schöpferin). Priska Zemp wagte es dennoch und wählte sich den Namen Heidi Happy, unter diesem veröffentlichte sie in der Schweiz bereits zwei Alben und ist in gewissen Kreisen eine durchaus anerkannte Künstlerin. Ihr zweites Album „Flowers, Birds and Home“ wurde erkoren nun auch den Weg aus der Eidgenossenschaft in die Nachbarländer zu gehen und schnell wird klar, welch genialer Schachzug die Namenswahl war, denn kaum ein Name einer schweizerischen Künstlerin dürfte so einprägsam sein. Auch dauert es nicht lange zu begreifen, dass Namen eigentlich doch nur Schall und Rauch sind und kann sich ganz der Musik widmen.

Und die weiß dann durchaus zu überzeugen und beweist, dass die Schweiz nicht immer für Aprés Ski, Almgedudel und Alphörner stehen muss. Auch jodeln gibt es hier nicht, Priska singt leicht entrückt, hingebungsvoll und mit sanfter Stimme. Mit ihrem Gesang trägt sie die meist zerbrechlichen Arrangements, die im weiten Spannungsfeld zwischen Pop, Klassik, Folk, Jazz und Soul siedeln und immer für einen überraschenden Moment gut sind. Mit zurückhaltenden Pauken und Streichern beginnt das Album, hinzu kommen dann noch einige Trompeten und untermalen Priska, die sich soulig 5:30 Minuten eingroovt. Dermaßen entspannt geht es auch auf dem Rest des Albums zu, zurückhaltende Stücke, die im Verlauf meist etwas an Tempo gewinnen und manchmal bedenklich in Richtung Barmusik abdriften. Große Pop-Momente gibt es gleich dazu, mit „I Think I’m In Love“ präsentiert Priska einen wunderschönen Pop-Song mit umschmeichelndem Streicherarrangement, der sich am ehesten als eine Mischung aus Dear Reader und Norah Jones beschreiben lassen könnte. Zwischen die Songs werden immer wieder auch reine Instrumentalstücke mit Piano, Streichern und Bläsern platziert, die einfache Übergänge zu den nächsten Stücken bilden, was dafür sorgt, dass das Album noch mehr wie aus einem Guss wirkt. Schade ist dann aber, dass in den 18 Stücken ein wenig die Abwechslung fehlt und man sich bei Song 7 fragt, ob man dieses eine Lied nicht schon gerade gehört hat, was wiederum dazu führt, dass die Album-Länge von knapp 48 Minuten durchaus auch ein wenig Durchhaltevermögen des Hörers erfordert. Was dann aber durch einige schöne Pop-Momente belohnt wird, die nachhaltig belegen, dass die Eidgenossen neben  Kräuterlimonade und -bonbons auch die Pop-Musik beherrschen.

Video zu „Back Together“

httpv://www.youtube.com/watch?v=nOJRDVB29Fw

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