Rezensionen

Hatcham Social – About Girls

Hatcham Social - About Girls

Vor drei Jahren erklärten wir das von Tim Burgess produzierte „You Dig The Tunnel, I’ll Hide The Soil“, das Debüt der Londoner von Hatcham Social, zu einem der „Indie-Punk-Highlights des Frühlings“ und später auch zu einem der besten Alben des Jahres. Mit ihrem düster wavigen 80s Sound mit schrammeligen Gitarren, starkem Schlagzeug-Spiel und einer gekonnten Mischung aus Punk, Wave und Pop wussten die Jungs uns mehr als zu überzeugen. Der Durchbruch blieb der Band dennoch verwehrt, auch wenn die Kritiken von Artrocker und dem NME mehr als positiv ausfielen.

Der ausgebliebene Erfolg ist vielleicht auch ein Grund, warum sich die Band ganze drei Jahre Zeit gelassen hat, bis sie mit Album Nummer 2 um die Ecke kommen. Vielleicht wollten sie auch nur nichts überstürzen. Jetzt sind sie jedenfalls zurück. Mit neuem Album und in neuem Line-Up. Gitarrist Jerome Watson verließ nämlich die Band und versucht nun sein Glück mit The History Of Apple Pie. Ebenfalls nicht mehr mit von der Partie ist Dave Fineberg. Ersatz hat die Band in Riley Diffort und David Claxton. Als Produzenten luden sich die Londoner dieses mal Laurie Latham in ihr eigenes Studio in Wales. Latham machte sich unter anderem einen Namen mit Arbeiten für Echo & the Bunnymen, eine der häufigsten Referenzen, wenn es um Hatcham Social geht.

Wer jetzt jedoch mit düstereren und experimentelleren Klängen rechnet, der hat die Rechnung ohne Hatcham Social gemacht. Darauf deutet natürlich schon der Albumtitel , der schon einmal klar das simple Thema des Albums vorgibt, es geht um Mädchen. Ein beliebtes Thema im Indie-Rock. In der Pressenotiz beschreibt die Band außerdem ihren Anspruch an das Album „less layered, with more concise, playful and honest lyrics“. Und ja, die Band um Sänger Toby Kidd hat den Punkaspekt ihres Sounds fast vollständig getilgt. Stattdessen gibt es nun verspielten Indie-Rock mit Einspielungen aus Rockabilly und Rock’n’Roll. Die Stücke haben eine klare Popstruktur, in der es die Jungs nun sogar mit weiblichem Mitsing-Chorus versuchen, wie er bei „I Look Like A God When You Dance With Me“ zu hören ist.

In der Summe versuchen sich Hatcham Social in 13 Stücken an der Verknüpfung von Wave und Pop mit der etwas eigenen Stimme von Toby Kidd, die nicht so recht reinpassen möchte und den Versuch der Band noch ein wenig gewollter wirken lässt. Alles auf „About Girls“ wirkt nämlich, als hätte die Band versucht, es auf Gefälligkeit und Hitcharakter zu bürsten. Ecken, Kanten und kleine Experimente sind nun völlig aufgegeben. An deren Stelle setzen Hatcham Social ihr neues Popverständnis. Das macht aus einer Band, die einen ganz eigenen Charakter hatte, nur eine von hundert anderen britischen Indie-Rock-Bands, die mit Party-Alben die Herzen der Fans erreichen wollen. Eine Sache gibt es aber doch, die Hatcham Social von diesen Bands abhebt, sie stehen nämlich auch dazu und nennen „About Girls“ ihr Party-Album. Das lässt dann doch noch Hoffnung für Album Nummer 3.


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