Rezensionen

Grizzly Bear – Veckatimest

Robin Pecknold von den Fleet Foxes hat vor kurzem „the best record of the 00s“ gefunden. Quasi auf den letzten Drücker. Bei dem Werk, auf das sich diese Worte bezogen handelte es sich um das nun erscheinende „Veckatimest“ von Grizzly Bear. Ein Album, dem große Erwartungen von Fans und Krtikern gegenüberstehen, spielten sich Grizzly Bear doch 2006 mit ihrem zweiten Album „Yellow House“ sozusagen in die oberste Liga des Indie. Ganz tatenlos waren sie dementsprechend auch seitdem nicht und veröffentlichten eine 10-Track EP, die ihren Ruf noch weiter festigte, tourten mit Radiohead, TV On The Radio und Feist.

Letztes Jahr schien aber der Drang neue Songs zu schreiben wieder überhand zu nehmen und die Band um Ed Droste mietete sich ein portables Studio. Das so entstandene Album wurde in drei intensiven Sessions an drei verschiedenen Orten aufegenommen. Einer davon auch Cape Cod, in dem die kleine Insel mit dem indianischen Namen „Veckatimest“ liegt. Eine charmante und perfekte Namenswahl für das Album, wie sich herausstellen sollte. Hier trifft nämlich Mystik auf typischen New Yorker Zynismus, Weltflucht wird in ein warmes, umarmendes Werk gebannt. Sanft und zögernd marschiert die Band im Opener „Southern Point“ voran, um dann bereits im mehrstimmigen Refrain laut heraus zu rufen. Mit stampfendem Schlagzeug, treibendem Banjo und dichter Atmosphäre steuert der Song gekonnt auf seinen Höhepunkt zu, nicht aber ohne einige Haken zu schlagen. Der gerade Weg wäre zu einfach und auch viel zu langweilig, deshalb nehmen Grizzly Bear auch immer wieder einige wunderschön ausladende Umwege in Kauf. So erhöhen sie zugleich auch die Dramatik ihrer Songs. „Two Weeks“ ist ein locker leichter Folk-Pop, getragen von seiner verspielten Piano-Melodie und dem beinahe als Doo-Wop anmutenden Gesang der Band. Einer der Momente, in denen die Band sich als mögliche Erben der Beach Boys outen. Grizzly Bear gelingt es allerdings immer, sich vor zu viel Bombast zu retten und in Songs, wie „All We Ask“ auch einmal inne zu halten. Psychedelic Pop nennt das der Musikexpress. Wenn das Musik beschreibt, die wunderbar verträumt, verschwurbelt und etwas verschroben daher kommt, dann stimmt diese Bezeichnung wohl. Ob da nun ein Kammerchor wie in „Fine For Now“ jenseitig trällert, oder ein Streichquartett mal kurz vorbeischaut, „Veckatimest“ entfaltet eine beinahe gespenstische, aber doch gefühlvoll warme Atmosphäre, die bis zur letzten Minute fesselt und so viele Wendungen beinhaltet, dass man auch beim 10ten Durchlauf noch etwas zu entdecken hat. Etwa den Song „While You Wait For The Others“, der zunächst als schlichter Folk-Song mit toller Gitarrenarbeit daher kommt und sich mit jedem hören tiefer in die Gehörgänge frisst und so langsam zum Highlight des Albums wird. Zum besten Album der 00er Jahre braucht es vielleicht noch ein paar Durchläufe, für ein Album des Jahres ist „Veckatimest“ jetzt bereits ein großer Favorit.

Rating: ★★★★★
Grizzly Bear

Video zu „Two Weeks“

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