Rezensionen

Glen Hansard – Rhythm and Repose

Glen Hansard - Rhythm and Repose

Gemeinsam waren Marketa Irglová und Glen Hansard wohl ein Indie-Traumpaar. In der Romanze „Once“ harmonierten sie perfekt und gewannen zurecht einen Oscar für das Duett „Falling Slowly“. Das gemeinsame Album „The Swell Season“ mit Songs aus dem Film, die Coverversionen von The Frames und auch ein paar eigene Songs des Duos ließ auf Albumlänge die Harmonie des Duos erkennen. Dass die Beiden auch im echten Leben ein Paar wurden rundete das Gesamtbild ab. 2009 legten die Beiden mit „Strict Joy“ noch ein zweites gemeinsames Album nach. Mittlerweile waren sie zwar nicht mehr zusammen, musikalisch wollten sie aber nicht getrennte Wege gehen.

Seit dem Abschluss der Tour liegt das Projekt The Swell Season nun jedoch auf Eis, weil der Ire Glen Hansard eigene Projekte umsetzten möchte. Marketa Irglová tat ihm das gleich und veröffentlichte im letzten Jahr ihr Soloalbum „Anar“. Dabei merkte man allerdings auch, dass sie ohne Glen an ihrer Seite nicht wirklich packende Songs schreibt, die in eine etwas zu spirituelle Richtung driften. Hansard hingegen hat bereits mit The Frames in der Vergangenheit sein Songwriting-Talent bewiesen und so kann man sich eigentlich darauf verlassen, dass „Rhythm & Repose“ einige Gänsehaut-Momente enthalten dürfte.

Aber Glen Hansard bietet auf „Rhythm & Repose“ nicht nur weinerliche Songwriter-Songs, sondern bietet entspannte Songs zum Abschalten und Träumen. Mit einer Lässigkeit, wie man sie sonst von einem Ryan Adams kennt führt er zum Beispiel durch das ruhig instrumentierte „Maybe Not Tonight“, ohne dabei jedoch auf die Tränendrüse zu drücken. Vielmehr ist das Stück eine verträumte Hymne in bester amerikanischer Songwriter-Tradition mit Slide-Guitar und sanftem Groove. Aber natürlich gibt es neben diesen ruhigen, beinahe beiläufig über schmerzliche Themen erzählenden Songs auch jene intensiven Stücke, bei denen es einem wohlige Schauer über den Rücken laufen lässt, wenn Glen sich mit seinem angerauten Organ in den Song steigert. „Bird of Sorrow“ ist so ein Stück. Ein wunderschön packendes Streicherarrangement schwingt sich immer weiter auf und Glen Hansard steigert sich so sehr in sein „Hang On“, dass man hofft, die überschäumenden Gefühle zerreißen den Musiker nicht. Diese Momente hält er allerdings wohl dosiert und bietet zwischendurch immer wieder Songs, bei denen der Sänger deutlich weniger stimmlichen Einsatz benötigt, um den Hörer zu packen. Das macht „Rhythm & Repose“ in der Summe zu einem mitreißenden Album mit einer tollen Grundstimmung, großartigen Songs und einer ordentlichen Prise Gefühl, ohne dass es je nach Pathos riecht oder schmalzig wird.

Glen Hansard live

19.10.2012: München – Muffathalle
22.10.2012: Frankfurt – Gibson
11.12.2012: Hamburg – Grünspan
13.12.2012: Berlin – Apostel Paulus Kirche
14.12.2012: Köln – Bürgerhaus Stollwerck


Glen Hansard – „Love Don’t Leave Me Waiting“ – MyVideo

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