Rezensionen

Glasvegas – Later… When The TV Turns To Static

Glasvegas - Later… When The TV Turns To Static

Wenn wir ehrlich sind, hatten wir damit gerechnet, dass Glasvegas aus Glasgow nach dem eher mäßigen Erfolg ihres eher mäßigen zweiten Albums „EUPHORIC /// HEARTBREAK \\\“ und der späteren Trennung von ihrem Label, relativ bald von der Bildfläche verschwinden werden. Dazu passten auch wiederholte Aussagen in Interviews, dass die Band sich jederzeit trennen könnte. Aber die gab es eigentlich auch schon seit dem Release des selbtbetitelten Debüts. So sind Glasvegas dann jetzt also doch, genau zwei Jahre nach ihrem zweiten Album, zurück.

Ihr neues Album haben sie „Later… When The TV Turns To Static“ getauft und das Artwork auch direkt an die Fernsehserie Twin Peaks angelehnt. Das Muster soll nämlich an den Red Room der Black Lodge erinnern und der Titel natürlich an den Sendeschluss. Das kennen viele von euch sicher gar nicht mehr, doch früher gab es einmal eine Zeit, da sendeten Fernsehsender nicht 24 Stunden am Tag, sondern hatten irgendwann Sendeschluss. Produziert wurde „Later…When The TV Turns To Static“ übrigens von James Allan selbst.

Mit dem Gedanken an den Produzenten geht man dann auch erstmal absolut positiv an „Later…When The TV Turns To Static“. Dass Allan die Techniken beherrscht hat er ja nämlich schon zusammen mit Produzent Rich Costey beim Debüt gezeigt und das war bekanntlich euphorisch, mitreißend und zwingend. Ganz anders also, als der verwaschene, selbst für Glasvegas zu großspurige Sound auf dem zweiten Album, an dem Produzent Flood wohl nicht ganz unschuldig war. Der Opener macht dann auch direkt klar, Glasvegas besinnen sich wieder auf ihre Stärken. „Later…When The TV Turns To Static“ klingt wie vom Debüt entnommen. Er entfaltet sich langsam, Allan singt zunächst beinahe besinnlich und steigert sich mit aufbrausenden Gitarren und einem mitreißenden Refrain dann so richtig rein. Wenig später sorgt die Klavierballade „Choices“ sogar für eine kleine Gänsehaut. Allan erzählt herrlich ergriffen mit gewohnt breitem schottischen Akzent und die Band erschafft eine berührende Atmosphäre, in die man gerne eintaucht. Mit „Secret Truth“ bietet die Band in der Mitte des Albums ein weiteres Highlight mit aufbrausenden Gitarren und lang gezogenem Leidensgesang von James Allan. Die Gitarrenmelodie erschafft dabei eine tolle Dramatik und reißt den Hörer tief ind Allan’s Elegien. Die aktuelle Single „If“ ist ein ähnliches Stück, bietet jedoch mehr Licht und deutlich positivere Energien. Ein Song, der schon wie der Opener, auch auf dem Debüt hätte sein können. Richtig krachen lassen es Glasvegas dann beim Closer „Finished Sympathy“, der mit gewaltigen Gitarrenwänden und lauten Drums auf dem Höhepunkt verstummt und dann passend zum Albumtitel mit verzerrten Sounds endet. Einzig trübender Faktor ist, dass die Band zwischen den beschriebenen Highlights auch häufig recht nichtssagende Stücke präsentiert, die nicht mehr als Füllwerk sind. Dennoch ist „Later…When The TV Turns To Static“ das Album, dass wir von der Band nach dem euphorischen Debüt erwartet hätten und stimmt nach „EUPHORIC /// HEARTBREAK \\\“ so positiv, dass wir nun sogar ein wenig traurig wären, wenn Glasvegas sich doch plötzlich trennen würden.

Facebook // Myspace // Homepage // Label

Musik von Glasvegas bei Amazon.de kaufen

Discussion

Comments are closed.

Archive