Rezensionen

Ghost Of Tom Joad – Black Musik

Sie sind zurück… die Münsteraner Geister. Nachdem das Album Black Musik eigentlich bereits für Sommer letzten Jahres angekündigt worden war, dann aber nichts kam, muss ich zugeben, dass ich ziemlich überrascht war als ich die Info erhielt, dass Black Musik im Februar 2011 (diesmal aber wirklich) das Licht der Welt erblicken sollte. Schließlich hängen überall in Münster und bestimmt auch in einigen anderen Städten bereits schon seit Sommer die Black Musik Aufkleber an den Laternenpfosten und Stromverteilerkästen. Die Vorfreude war groß, ebbte dann aber verständlicherweise im Laufe der Monate immer mehr ab bis der Name Ghost of Tom Joad schon fast in Vergessenheit geraten war.

Laut der Homepage von Green Hell, wo das Album auf CD oder auf Vinyl mit einem limitierten Siebdruckposter erhältlich ist, war bereits ein komplettes Album vorproduziert worden, das allerdings auf dem Müll landete. Es wurde alles nochmal neu aufgenommen, was die Verzögerung der Veröffentlichung von knapp einem halben Jahr erklären würde.

Anfang Januar wurde Black Musik dann Realität – als Video des gleichnamigen Titeltracks. Und dieser versprach tatsächlich einiges. Die düstere Stimmung des zweiten Albums Matterhorn wurde konsequent weitergeführt, ergänzt wurde das Ganze mit einer Portion Soul und einem ziemlich präsenten Beat. Das Schlagzeug ist deutlich in den Vordergrund gerückt, genauso wie die Stimme von Sänger Henrik Roger. Insgesamt wirkt Black Musik poppiger, eingängiger als alles andere, was ich bis dahin von Ghost of Tom Joad gehört hatte. Ich kann mir ziemlich gut vorstellen, dass dieser Song bei dem ein oder anderen einen tierischen Ohrwurm verursacht hat oder noch verursachen kann. Das hat Black Musik bei mir nämlich definitiv geschafft. Auch das Video ist großartig, nur hätte ich dem Schluss noch ein kleines Element hinzugefügt. Und nein… ich spreche nicht von UFOs oder Aliens.

Umso gespannter war ich auf den Rest von Black Musik, der mich nun leider auch nach mehrfachem Hören einfach nicht so recht überzeugen will. Wer Ghost of Tom Joad länger kennt, vermisst irgendwie irgendetwas. Zumindest geht es mir so. Die Texte empfinde ich diesmal als mehr oder weniger belanglos. Das war schon mal anders. Wo das Debüt „No sleep until Ostkreuz“ noch frech, punklastig und „Auf-die-Fresse“ war, zeigte „Matterhorn“ eine Entwicklung auf, die in eine deutlich ernsthafterer Richtung ging. Jeder wird irgendwann mal erwachsen und das ist auch gut so. Vom zweiten Album war ich persönlich erst etwas irritiert, dann aber wirklich begeistert. Das war ein Sound, der erst einmal wachsen musste. In den Texten verarbeitete Sänger Henrik Erfahrungen aus seinem Leben und verknüpfte diese mit kleinen fiktiven Geschichten, die in die Tiefe gingen. Das fehlt mir bei Black Musik. Die Ernsthaftigkeit (zumindest was die Texte angeht) und die Tiefe ist nahezu verschwunden, der düstere Sound bleibt. Und so plätschert ein Song nach dem anderen vor sich hin und es fällt mir tatsächlich schwer die einzelnen Lieder auseinander zu halten.

Ein wirklicher Lichtblick ist für mich neben dem Titeltrack der Song Midnight Marauder, der so anders ist als der Rest, dass er mir sofort ins Ohr und ins Herz ging. Absolut empfehlenswert. Auch Wild Things hebt sich ab von dem wabernden Rest, obwohl die Jungs hier noch einen Schritt hätten weiter gehen können. Irgendwie bin ich bei diesem Track in einer Erwartungshaltung, als würde noch etwas kommen, was dann allerdings nicht der Fall ist. Schade. Potential hat der Titel allemal.

Was mir eindeutig fehlt, ist das Herüberbringen von Emotionen. Vor allem bei ruhigeren Stücken wie Snow in the summertime, Pretty Girls und Little Fires. Dort spinnen die Geister ihre düsteren Fäden, was anderen Bands wie Interpol, New Order, Editors, etc. allerdings besser und konsequenter gelingt oder gelang und denen dann vielleicht auch einfach überlassen werden sollte. Auch wenn dieser Vergleich natürlich ganz schön hochgegriffen ist.

Unterm Strich ist Black Musik aber ein ziemlich solides Album Nummer Drei, das mit Sicherheit ein Publikum ansprechen kann, was mit Album Eins und Zwei nicht ansprechbar war. Die Geister bewahren ihren Stil, erweitern ihn einfach um ein paar neue Elemente. Was dabei herauskommt ist nicht ganz neu, aber trotzdem nicht schlecht und birgt den ein oder anderen wirklich durchschlagenden Song mit Potential, der den weiteren Weg nach oben ebnen könnte.

Ich freue mich auf die in Kürze anstehende Tour, denn live konnten mich Ghost of Tom Joad immer schon mehr überzeugen als auf Platte. Und das ist natürlich noch viel mehr wert, zumindest mir.

Rating: ★★★☆☆
Ghost Of Tom Joad

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Foto Startsteite: Tim Bruening

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