Rezensionen

Get Well Soon – Vexations

Musik ist Handwerk, wie es immer so schön heißt. Greifen wir diesen Gedanken einmal auf, wenn man ein Handwerk ausüben will, geht man in die Lehre. In Deutschland haben wir dafür ein herrliches duales System, an dem schulisch und praktisch die Handwerkskunst vermittelt wird. Im Anschluss folgt die Gesellenprüfung und irgendwann, wenn man mag auch noch ein Meisterbrief. Seine Lehre hat Konstantin Gropper, der Kopf und Schöpfer von Get Well Soon an der Mannheimer Popakademie und mit einer Hand voll EP’s abgeschlossen. Mit seinem Debüt-Album „Rest Now Weary Head, You Will Get Well Soon“ legte er dann so etwas wie seine Gesellenprüfung ab und war damit sogar Jahrgangsbester (schließlich fand er sich auf Platz 1 in eurem Voting zum WhiteTapes Record Of The Year 2008). Damit folgte für ihn auch der Start ins Berufsleben, denn plötzlich war Gropper Berufsmusiker. Für seine Arbeit mit Get Well Soon wurde er mit Lob überhäuft und auch sonstige Aufträge für diverse Film-Soundtracks flatterten immer wieder bei ihm ein.

Nächstes Ziel im Handwerkerleben ist es also mit der Arbeit am Meisterbrief zu beginnen. Dafür hatte sich Gropper dann auch ehrgeizige Ziele gesetzt und vollendete sein Meisterstück in knapp 2 Monaten Arbeit, eine rasante Zeit, nachdem er für sein Gesellenstück beinahe 4 Jahre brauchte. Trotz der Verknappung der Arbeitszeit sind die Stücke „Vexations“ genau so, wie man sie von Get Well Soon erwartet, nämlich groß und ebenso schillernd, wie bedrückend. Durch die kürzere Nettoarbeitszeit am Album und sicherlich auch die Erfahrungen der letzten zwei Jahre klingt „Vexations“ nun auch mehr aus einem Guss, als noch das Debüt, das stellenweise eher eine (natürlich famose) Songsammlung war. „Vexations“ gleicht so einem dichten Songzyklus über philosophische Themen, wie Selbstbeherrschung, Wut, Stoizismus, Entfremdung und den Tod. Letzterer ist omnipräsent, in bedrückenden Melodien, Trauerchören und auch den Texten. Gleich zu Beginn wirkt es, als würde der Protagonist des Songs einen Friedhod betreten, es ist still, man hört Vögel zwitschern und im Hintergrund läuten die Kirchenglocken. In einigen Songs hat man dann sogar noch den Eindruck, Gropper hätte, wie schon Zach Condon, eine mexikanische Trauerkapelle für die Trompetensätze gebucht. So viel Schwermut ist natürlich im ersten Durchlauf schwer zu erfassen oder gar zu verarbeiten, da braucht es schon mehrere Hördurchläufe. Nach diesen tut sich aber ein Album auf, das in seiner kunstvoll ausgeschmückten Melodieführung dem Get Well Soon Debüt „Rest Now Weary Head, You Will Get Well Soon“ mindestens ebenbürtig ist. Mit „Angry Young Man“ und „We Are Free“ arbeiten sich dann auch recht bald ein paar Hits heraus. So lässt sich sicherlich sagen, dass Gropper mit „Vexations“ ein beeindruckendes Meisterstück abgelegt hat und seine Meisterprüfung so mit Bravour meistern konnte. So bravourös, dass man „Vexations“ problemlos auch gerne als Meisterwerk bezeichnen darf.

Rating: ★★★★½
Get Well Soon
Gratis-Download: „5 Steps / 7 Swords“

Get Well Soon auf Tour:

19. Februar, CH-Luzern, Konzerthaus Schuur
20. Februar, A-Innsbruck, Weekender
21. Februar, A-Salzburg, Rockhouse
22. Februar, A-Graz, PPC
23. Februar, Muenchen, Ampere
25. Februar, Dresden, Beatpol
26. Februar, Koeln, Gloria
27. Februar, Haldern, Rock Im Saal
28. Februar, Hannover, Glocksee
02. März, Frankfurt, Mousonturm
03. März, Leipzig, Central Theater
04. März, Hamburg, Uebel & Gefaehrlich
20. März, Mannheim, Stereo Mondo Festival
27. März, Bremen, Lagerhaus
29. März, CH-Aarau, Kiff

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Homepage // Myspace // Label // Interview April 2008

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